Ausstellung Kritik

Eine Fantasievilla für die Frau Gemahlin

Lexikon | aus FALTER 52/15 vom 23.12.2015

Der Architekt und Designer Josef Frank (1885-1967) wurde in Österreich nur zweimal mit größeren Ausstellungen gewürdigt: 1965 kuratierten die Architekten Friedrich Kurrent und Johannes Spalt anlässlich der Staatspreis-Verleihung eine Schau. 1981 setzte sich Johannes Spalt im Mak abermals mit Franks Œuvre auseinander und gab gleichzeitig die Staffel an Kollegen Hermann Czech weiter. Die absolut sehenswerte dritte Schau "Josef Frank. Against Design" wurde nun unter der Ägide von Czech gemeinsam mit dem Mak-Kurator Sebastian Hackenschmidt konzipiert.

Der heute vor allem für seine Stoffmuster gefragte, aber allgemein wenig bekannte Gestalter wird im gesamten Umfang seines Schaffens gewürdigt. Das Ausstellungsdisplay macht schlicht Freude: Da lassen sich sämtliche Gebäude Franks übersichtlich erkunden, von den frühen Villen über die Werkbundsiedlung bis hin zu den Fantasiebauten, die er für seine jeweiligen Lebensgefährtinnen plante. Für die Schau wurden erstmals seine städtebaulichen Visionen, etwa für Sandleiten, mit dem späteren Status quo abgeglichen. Die Schau steckt voller Überraschungen, die es jedoch richtig zu lesen gilt: Wir besuchen mit großen Reproduktionen Franks eigene Wohnung, lernen neue Kategorisierungen seiner unzähligen Textilentwürfe kennen und steigen Treppen in eine zusätzliche Galerie empor, bei denen es sich um Nachbauten von Stiegen aus Franks Häusern handelt.

Darüber hinaus werden seine Entwürfe spannend kontextualisiert, wenn etwa Franks Dissertation über den Renaissance-Architekten Leon Battista Alberti vorkommt oder Verwandtes bzw. Gegensätzliches von Adolf Loos bis Rem Kolhaas. Die originalen Möbel offenbaren im Vergleich mit späteren Produktionen ihre Besonderheiten, und der Katalog ist mit seinen 20 Aufsätzen ein Kosmos für sich. Höchste Empfehlung! NS Mak, bis 3.4.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige