Neue Bücher

Eine Bio über Curd Jürgens und neue Miniaturen zu Filmen

BÜCHER : PLATTEN | aus FALTER 02/16 vom 13.01.2016

Heike Specht: Curd Jürgens. General und Gentleman. Aufbau, 464 S., € 23,60

Wenn man Curd Jürgens (1915-1982) heute noch kennt, dann vor allem wohl als Bösewicht im James-Bond-Film "Der Spion, der mich liebte". Zu seiner Zeit jedoch war der deutsche Schauspieler mit österreichischem Pass ein international durchaus gefragter Star. Er gehörte dem Ensemble des Burgtheaters an und schlug sich wacker in Hollywoodfilmen (meist in deutscher Uniform); zu seinen Gegenspielern zählten Robert Mitchum, Danny Kaye, Richard Burton et al.

Zu seinem 100. Geburtstag, Mitte Dezember, ist eine solid gearbeitete Biografie erschienen, in der Heike Specht auf Grundlage bisher unbekannter Dokumente aus dem Nachlass Jürgens' im Deutschen Filminstitut das Leben des "Bonvivants und Querdenkers" quasi "zwischen Set und Jet-Set" nachzeichnet und zu dem erfrischenden Schluss kommt, seine über die Jahrzehnte wohl beständigste und beliebteste Rolle sei jene "des perfekten Gastgebers" gewesen. MO

Peter Nau: Unter dem Regenmond. Auf Reisen in Filmen. Verbrecher, 122 S., € 15,50

Miniaturen aus der Feder des legendären Kritikers Peter Nau: verdichtete Gedanken zu Filmen von Tourneur bis Mizoguchi, von dessen "Erzählungen unter dem Regenmond" sich der Titel herleitet. Grandios Naus "Erinnerungen an Harun Farocki" und den Dreh von "Zwischen zwei Kriegen", die er 2014 für den Falter niederschrieb:

"Eines Sonntagmorgens rief mich Harun von Duisburg aus in Westberlin an:'Peter, wir brauchen dich hier.' - 'Sofort?' - 'Wenn möglich noch schneller', sagte er und legte auf. Gemächlich fuhr ich mit der Eisenbahn hin, um circa fünf Minuten lang vor einer Fabrikmauer zu stehen und so zu tun, als ob ich sie - über ein Stativ gebeugt - fotografierte. Während ich mich danach auf einer Art Regiestuhl ein wenig ausruhte, sagte Harun:'Du kannst jetzt wieder nach Hause fahren.' Ich hätte sofort gehen können, aber ich saß nur da und starrte auf die Fabrikmauer, als hätte ich vergessen, wie man aufsteht." MO


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