Mediaforschung Verführungskolumne

Wieder, wieder, wieder und wieder: die Ö3-Kampagne. Oida

Medien | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 02/16 vom 13.01.2016

Ein Model im Norwegerpulli stemmt seine Arme in die Hüfte und schreit. "Lauter #jetzt". Ein Beau greift sich hinter den Kopf und grinst. "Relax #jetzt". Eine hippe Dame in Nylonstrumpfhose und Fellmantel hebt ihr Bein zum weiten Ausfallschritt. "Let's go #jetzt".

Die erste Werbekampagne 2016 für das selbsternannte Hitradio Ö3 hängt. Die verbreitet auch diesmal wieder so viel Freude wie ein lauwarmer Gute-Laune-Tee, den man zwei Minuten zu lang gegurgelt und drei Minuten zu kurz ziehen hat lassen. Seit Jahren trommelt Österreichs reichweitenstärkstes Boulevardradio die gleichen Botschaften: Lebe dein Leben! Sei glücklich! Genieße! Oder kurz: Carpe diem (pflücke/nütze den Tag), jener philosophische Spruch, den einst das Hollywood-Drama "Der Club der toten Dichter" 1989 populär machte und den sich die Strandnixen in den 2000er-Jahren über das verblassende Arschgeweih in die ewige Haut stechen ließen. Wer "die größten Hits" der vergangenen Jahrzehnte so lange wieder und wieder und wieder spielt, bis man ihnen das letzte Stück Lebenslust genommen hat, kann auch alte Floskeln dreschen, bis sie hohl sind wie Bambusrohr.

Die werberische Leistung, die man anerkennen kann, ist es, dieselbe Botschaft über Jahre hinweg in so viele verschiedene Slogans packen zu können. Für Menschen, die durch die Kälte stapfen, um den ersten Arbeitstag im Jahr anzutreten, nimmt sich diese synthetische Ö3-Marketing-Fröhlichkeit jedenfalls aus wie Hohn #Und-HashtagsInDerWerbungSindScheiße.


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