Sport Glosse

Sport soll Menschenrecht sein, aber bitte nicht so wie jetzt

Stadtleben | Johann Skocek | aus FALTER 02/16 vom 13.01.2016

So, plötzlich ist man allein. Kein Fußball in Österreich und Deutschland, die Engländer nur auf irgendwelchen Spezialfernsehprogrammen. Auch die Zeitungen sind schon nach wenigen Tagen so ausgehungert, dass Marko Arnautovic, wenn der einmal zwei, drei Tore schießt, quasi zum König der Oligarchen-und-Scheich-Liga erklärt wird. Über irgendwas muss der Mensch ja ausflippen, und Sportjournalisten sind auch nur Fans, die es in die Mixed Zone geschafft haben.

Dort hackeln vor den Kameras die Kommentatoren, Experten, Interviewer, Moderatoren, Analysten. Es scheint mittlerweile mehr Genres von TV-Sportreportern als Bundesligaklubs zu geben. Die gehorchen offenbar einer internen Regel: Besonders langweilige Sachen wie Skispringen übertragen wir besonders lange, damit jeder glaubt, das sei urknorke.

Dem Zuschauer kommt das bloß dröge/bemüht/betulich vor. Aber das täuscht, die Wirklichkeit ist das Fernsehen. Alles, was dort läuft, ist ein Erfolg. Schon allein deswegen, weil es das Fernsehen zeigt. Ich meine, es gibt ja sogar Leute, die glotzen Darts. In der Uno überlegen sie, Sport zum Menschenrecht zu machen. Gut so, aber über die Definition müsste man noch genauer reden.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige