Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Die Justiz klärt den mysteriösen Tod von Wolfgang Purtscheller auf

Politik | FLORIAN KLENK | aus FALTER 02/16 vom 13.01.2016

Vergangene Woche erreichte die Staatsanwaltschaft Wien ein ungewöhnliches Schreiben. Jener Pathologe, der den Journalisten Wolfgang Purtscheller obduzierte, meldete seine Zweifel an einem natürlichen Tod. Der Leichnam des Mannes, den er gerade obduziert hatte, weise ein schweres Schädel-Hirn-Trauma auf und die Art und Weise, wie der Leichnam auf der Straße gefunden wurde, sei verdächtig. Fremdverschulden sei "nicht auszuschließen". Wurde Purtscheller womöglich erschlagen?

Die Staatsanwaltschaft, so bestätigt Behördensprecherin Nina Bussek, ordnete umgehend eine Obduktion des Toten durch das gerichtsmedizinische Institut an. "Das sind wir dem Toten schuldig", sagt ein mit dem Fall vertrauter Ermittler.

Wolfgang Purtscheller war nicht irgendwer: Er war ein auf Rechtsextremismus spezialisierter Journalist und Buchautor. Am 6. Jänner dieses Jahres war er auf der Straße tot aufgefunden worden. "Die Umstände seines Todes", sagt ein Informant zum Falter, sollten auch aufgrund seiner Biografie "penibel geklärt werden". Es gibt begründete Zweifel, ob er wirklich an Herzversagen starb, wie dies offi ziell angegeben worden war. Konkrete Beweise für ein Verbrechen gäbe es aber derzeit nicht.

Purtscheller schrieb für den Standard, Profil, News und Falter, arbeitete aber auch für das ZDF. An Schulen betrieb er im Auftrag des Unterrichtsministeriums Aufklärung über Rechtsextremismus. Immer wieder geriet er auch selbst zwischen die Fronten. Als 1995 in Ebergassing Linksextremisten bei der Sprengung eines Strommasten umkamen, unterstellte ihm die FPÖ eine Mitwisserschaft - die letztlich nie bewiesen werden konnte. Anno 1994 soll Purtscheller von Polizisten misshandelt worden sein, als er bei der Festnahme eines Asylwerbers durch Beamte in Zivil zu intervenieren versuchte.

Purtscheller wurde vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes mit Preisen geehrt. Er war 59 Jahre alt.


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