Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Nullmeldung

Steiermark | Gerlinde Pölsler | aus FALTER 02/16 vom 13.01.2016

Knapp 100 Asylwerber wohnen seit wenigen Tagen in einer neuen Unterkunft im Grazer Bezirk Andritz. Im Schnitt sollen sie drei Wochen dort bleiben und dann in längerfristige Quartiere übersiedeln. Das Heim spaltet die Andritzer: Die Gegner finden es viel zu groß und sehen die Anrainer in Gefahr. Bei der Bürgerversammlung drängten sich 500 Leute. Politiker ließen sich keine blicken.

Zweifellos war im Vorfeld einiges unrund gelaufen. Der Hauseigentümer hatte mit dem Land verhandelt, das Ja sagte, aber in Absprache mit der Stadt nicht mehr als 50 Asylwerber in ein Haus stecken will. Dem Unternehmer war das zu wenig, so vereinbarte er mit dem Innenministerium im Alleingang 200. Stadt und Land wurden überrumpelt, Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) verhandelte auf "vorerst" 100 hinunter.

Bürgermeister Siegfried Nagl &Co haben also gute Gründe für Skepsis. Andererseits steht auch der Bund unter riesigem Druck, die Menschen unterzubringen. Und: Es ist ein Unterschied, ob diese längerfristig in einem Großquartier wohnen oder nur ein paar Wochen überbrücken müssen.

All dies rechtfertigt nicht, dass sich zur Bürgerversammlung kein einziger Politiker bequemte. Sagen diese sonst ein ums andere Mal, sie seien ständig "draußen bei den Menschen" und nähmen "deren Sorgen ernst", so wollte sie sich nun niemand anhören. Aber nur zuzuschauen, wie die FPÖ "Graz bekommt sein Traiskirchen!" ruft und Ausgangssperren für Asylwerber fordert, ist kein guter Plan. Überdies, das wird gern vergessen, sind viele Versammlungsbesucher ja guten Willens und wollen sich engagieren. Wie viel der Politik das wert ist, hat sie mehr als deutlich gemacht.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige