Ausstellung Tipp

Als die Glimmstengel frivole Tänzchen wagten

Lexikon | aus FALTER 02/16 vom 13.01.2016

Die Zigarette ist passé -es lebe die Tabakkultur! In einer kleinen, kurzweiligen Schau erkundet das Leopold Museum, wie die Österreichischen Tabakregie in den 1920er-Jahren ihr Image mithilfe von Künstlerinnen und Künstlern erneuerte. Am Beginn von "Flüchtige Schönheit" steht das Foto einer lässig rauchenden Hosenträgerin mit Bubikopf. Trude Fleischmann hat mit ihrem Porträt der Tänzerin Tilly Fleischmann 1925 auch den Typus der "neuen Frau" eingefangen, den der heimische Tabakmonopolist in jener Zeit als Kundin entdeckte.

So entwarf etwa Berthold Löffler exotische Raucherinnensujets für die 100er-Packungen der Marke Dames. Mit rot-seidigem Filter lockte die neue Zigarettenmarke Asta, die Lippenstiftspuren kaschierte. Im Jahr 1928 veranstaltete die Tabakregie einen Künstlerwettbewerb, um die herkömmlichen SW-Fotos durch bunte Landschaftsbilder zu ersetzen. Während Albert Paris Gütersloh brav St. Wolfgang und Anton Faistauer Zell am See malten, verewigte Carry Hauser das Treiben im Strandbad Kritzendorf. Für die Innenseite der Asta-Schachteln wurde auch das charmante Kartenspielerinnenbild "Rummy" von Gabi Lagus Möschl verwendet.

Egal, ob Packerldesign oder Werbeplakate, die meisten Entwürfe verbreiten konservativ das Österreich-Bild vom Land der Berge und der Trachtenpärchen. Für den Katholikentag 1933 wurde sogar die Zigarre Pontifex Maximus mit dem Konterfei von Pius XI. aufgelegt, und Paula Wessely posierte mit Tschick und Tirolerhut am Cover der Österreichischen Raucherzeitung. Oswald Haerdtl zog hingegen 1928 die Stars and Stripes der US-Flagge für die Marke Hudson heran und die Falk-Zigarettenplakate durchweht ein Hauch von Film noir. Ein Highlight stellt der Werbefilm dar, in dem ein Zigarrenmacho tagträumt und sein Rauchwerk als frivole kleine Tänzerinnen imaginiert. Der urbane Faktor, der im Design weitgehend ausgespart blieb, kommt im letzten Teil der Ausstellung über die Neugestaltung der Trafiken, Verkaufswagerl und Messepavillons herein. NS Leopold Museum, bis 29.2.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige