"Man muss hier vorsichtig sein"

Der Interkulturalitätstrainer und einstige Flüchtling Fred Ohenhen über lautes Reden, Armlängen und warum er nigerianischen Landsleuten heute abrät, nach Europa zu gehen

Steiermark | INTERVIEW: GERLINDE PÖLSLER | aus FALTER 02/16 vom 13.01.2016


Foto: J. J. Kucek

Foto: J. J. Kucek

Fred Ohenhen ist in der Steiermark etabliert: Im November erhielt der gebürtige Nigerianer, der vor gut 25 Jahren nach Österreich kam, den Josef-Krainer-Heimatpreis für Integration. Als Erfinder des Projekts „IKU“ bei der NGO ISOP arbeitet er pro Jahr mit etwa 6000 Kindern und Pädagoginnen, Richtern und Polizistinnen an interkultureller Verständigung. Kürzlich gab er seine Biografie „Ein Leben. Zwei Welten“ heraus, zur Präsentation im ORF-Landesstudio erschien zahlreiche (Polit-)Prominenz.

In dem Buch erzählt Ohenhen von seiner Kindheit bei Benin City in Nigeria, seiner Arbeit als Englischlehrer und davon, wie er das Land nach der Teilnahme an einer Demonstration verlassen musste. Von Österreich gibt es rassistische Ansagen ebenso zu berichten wie die Hilfsbereitschaft zahlreicher Menschen, dank deren er in den ersten Jahren Fuß fassen konnte. Mit viel Humor erinnert Ohenhen sich an zahlreiche Missverständnisse: Wie er mit seinen Schwiegereltern in Boxershorts zum Wandern ausrückte, weil er meinte, man müsse dabei jedenfalls kurze Hosen tragen. Wie seine Frau, eine gebürtige Österreicherin, einmal dachte, er wolle seiner auf Besuch weilenden Schwester etwas antun, weil es so laut herging – dabei unterhielten die beiden sich nur angeregt. Auch dass Menschen oft irritiert waren, weil er ihnen nicht in die Augen schaute – in Nigeria ein Gebot des Respekts. In seinen Kursen vermittelt Ohenhen Sensibilität für solche Unterschiede, wichtig ist ihm aber auch, „nicht nur auf die Differenzen zu schauen, sondern auch auf das Verbindende.“


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