Kunst Vernissage

Bis zu den Ellenbogen in den Bildwelten

Lexikon | NS | aus FALTER 02/16 vom 13.01.2016

Das Kunsthaus Wien startet mit zwei Personalen konzeptueller Fotokünstler ins neue Jahr. Der aus Hamburg stammende Peter Piller sammelt seit den 1990er-Jahren Fundstücke aus den Medien, die er zu Serien gruppiert. Seine Bildkollektionen tragen Oberbegriffe wie "Schießende Mädchen", "Bauerwartungsflächen" oder "Auto berühren" und werden von Piller immer wieder neu kombiniert. "Ich wende mich gegen das Herstellen neuer Fotografien, weil es schon zu viele gibt", hat der Künstler in einem Interview zu seiner Found-Footage-Strategie gemeint, wiewohl er auch einige wenige Fotoserien selbst geschossen hat. In erster Linie interessiert sich Piller aber für "semi-professionelle" Fotografie, bei der auch unbeabsichtigte Elemente hereinkommen. Auch die Beziehung von Wort und Bild spielt eine wichtige Rolle bei der Sichtung. Die retrospektiv angelegte Ausstellung präsentiert unter anderem die Serie "Nimmt Schaden", die auf dem digitalen Fotoarchiv einer Schweizer Versicherungsgesellschaft basiert. In der Installation "Nachkriegsordnung" stellt Piller 35 Zeitungsabbildungen einer Explosion nach einem Bombenabwurf auf Bagdad von 2003 zusammen.

Auch Anita Witek verwendet vorhandenes Bildmaterial, etwa aus Lifestylemagazinen und Werbeplakaten, und kreiert damit vielschichtige Raumillusionen. Die Kamera ist dabei aber zentral, weil die österreichische Künstlerin ihre Collagen fotografiert und diese Bilder dann weiterverarbeitet. Im Fokus stehen die Scheinwelten der Hochglanzmagazine, ihre Anziehungskraft und Leere. Hatten Witeks großformatige Fotomontagen in der Vergangenheit schon oft bühnenhaften Charakter, so strebt die Künstlerin in ihrer jetzigen Schau "About Life" tatsächlich in den Raum und präsentiert erstmals eine installative Arbeit.

Kunsthaus Wien, Do 19.00, bis 22.5.


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