Sexkolumne. Aufklärung für Zeitgenossen

Bowie it is

Kolumnen | Heidi List | aus FALTER 02/16 vom 13.01.2016

Man kann auf Eignung des Sexpartners als potenziellen Lebensgefährten schließen, wenn man ihm beim Vorsichhinträllern zuhört. Die Wahl der Songs sind ja unterbewusst und daher maßgeblich entscheidend dafür, ob sich aus einem One-Night-Stand vielleicht doch ein Lebensphasenzustand entwickeln kann.

Merke: Trällert der alte Motown-Songs: gut für eine Zeit, auf Dauer zu wehleidig. Led Zeppelins "Whole Lotta Love": manischer Typ, wahrscheinlich Säufer. Alte Toto-Songs: vermutlich guter Handwerker, aber nicht sehr kunstsinnig. Opernlieder: kunstsinnig, jämmerlicher Handwerker. Prince vor der The-Artist- oder Symbol-Zeit: unverbesserlicher Nostalgiker, geht aber freiwillig in Väterkarenz. Macht er Technogeräusche, hat man selber ein Alkoholproblem und war versehentlich in der falschen Disco. Deichkind: Man ist selber 14 Jahre alt.

Mein Lebensgefährte zum Beispiel hat am ersten Abend eine David-Bowie-Best-of-Show abgeliefert, inklusive Ziggy-Stardust-und Tin-Machine-Zeiten.

Ich hätte gewarnt sein sollen. Schlechter One-Night-Stand, so jemand bleibt.


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