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Alles Ballzer!

Falters Zoo | LUKAS MATZINGER | aus FALTER 02/16 vom 13.01.2016

Die Ballsaison ist eröffnet. Beziehungsweise, wenn man auf den Wiener Ballkalender sieht, ist die eh das ganze Jahr über, aber jetzt gilt's halt so richtig. Die ersten richtig großen Bälle, die heuer in der Weltballhauptstadt Wien über die Tanzböden gingen, waren von durchwegs bäuerlicher Anmutung. Da gab's zunächst einmal zum sechsten Mal den Steirerball. Den veranstaltete der "Verein der Steirer in Wien" heuer für alles in allem 3500 Leute in der Hofburg. Darunter tummelten sich und taumelten die Staatssekretärin Sonja Steßl, die "ZiB"-Moderatorin Nadja Bernhard, der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl, der Wiener ÖVP-Chef Gernot Blümel und freilich der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer. Wilfried sang. Tags darauf dann der gute alte Niederösterreichische Bauernbundball. Da gaben sich dann gleich 6000 Gemascherlte - und bitte, nichts davon ist erfunden - eine Milchbar, ein Fotoshooting für den Jungbauernkalender, eine Radio-NÖ-Disco, eine Mostkost und einen Melkwettbewerb der Landjugend. Das ließen sich nicht entgehen: der Lebensplaner Erwin Pröll und Frau Sissy, die Innenministerin Johanna Mikl-Leitner und wiederum der Wiener ÖVP-Chef und ganz schöne Balltiger Gernot Blümel. Der Reinerlös kommt Schülern und Studenten aus der Land-und Forstwirtschaft zugute.

Wer "Ball" sagt, muss in Österreich halt meistens auch Richard Lugner sagen. Der beginnt schon wieder ein bisschen rumzuspinnen. Im oe24-Interview denkt er wieder sehr laut darüber nach, Bundespräsident von Österreich sein zu wollen. 1998 hatte er das schon einmal gemacht. Damals ist er gegen Thomas Klestil angetreten und mit knapp zehn Prozent ausgestiegen. Sonst will der Mörtel zurzeit mit seiner First Lady Cathy in einer neuen Reality-Soap auf RTL II dem allseits beliebten deutschen Millionärspaar "Geissen" Konkurrenz machen. Seine Show heißt "Der Millionär und das Bunny". Und ganz sonst plant er natürlich auch schon an "seinem" Opernball. Sein Stargast wird eine Frau sein, die in der "Gegend Los Angeles" wohnt, sagt er der APA. Also alles wie immer beim Mörtel. Und die Mediensonne scheint, da sie keine Wahl hat, auf nichts Neues.

Ein anderer Wiener, der zurzeit nur schwerlich vom Scheinwerferlicht wegzubringen ist, nennt sich HC Haas. Er hatte eine Galerie in der Innenstadt, im Übrigen ist er Model, Vaterrechtsaktivist und Schauspieler (zuletzt in der österreichischen Fantasy-Serie "Wienerland"). Doch so richtig ab geht's bei dem erst seit kurzem. Im Herbst ist er ins deutsche Big-Brother-Haus eingezogen. Dort hat er zwar bei weitem nicht gewonnen, aber reichlich grenzüberschreitende Werbung für seine Ich-Marke gemacht. Danach tauchte der Mann mit dem vollen Vollbart auf allerhand Wiener Gesellschaftsereignissen auf. Aktuell begeht Hans-Christian Haas einen 635-Kilometer-Fußmarsch, um der Frau, die ihn verlassen hat, zu beweisen, dass er sie liebt, und um eine Spendenaktion voranzutreiben. Im Internet protokolliert er jeden Fortschritt. Es gibt schlimmere HCs.

Heinz Oberhummer ist tot. Seine Busters leben weiter. Der Kabarettist Martin Puntigam hat sich allerhand Frischfleisch von den Universitäten geholt und macht mit wechselnder Flankierung weiter mit der Vermittlung der Welt, in der wir leben. Auch der zweite Physiker der Original-Busters, Werner Gruber, wird wegen anhaltender Herzprobleme nicht mehr bei jeder Show dabei sein. Dafür sind ab jetzt an Puntigams rosaroter Seite unter anderen Oberhummers Kollege Ronald Mallett ,der Astronom Florian Freistett er und endlich eine Frau: Die Ig-Nobelpreisträgerin für kuriose Forschung Elisabeth Oberzaucher wird ein paar Mal pro Woche im Stadtsaal Öffentlichkeitsarbeit für die Naturwissenschaften machen.


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