Wenn rote Bohnen sprechen können

Zärtlich und brutal: Die Regisseurin Naomi Kawase erzählt in ihrem neuen Film von der Vergänglichkeit

Feuilleton | FILMKRITIK: MICHAEL OMASTA | aus FALTER 02/16 vom 13.01.2016

Filme wie dieser ersetzen jede Yogamatte. Man folgt hochkonzentriert dem Geschehen auf der Leinwand und versinkt für zwei Stunden völlig in sich. Schon der Titel von Naomi Kawases neuer Regiearbeit, "Kirschblüten und rote Bohnen", hat etwas handfest Kontemplatives. Im japanischen Original heißt sie schlicht "An", nach einer süßen Paste, die als Füllung für Dorayaki - eine Art Mini-Palatschinken -bei Jung und Alt beliebt ist.

Genau davon erzählt dieser Film. Und von einem mürrischen Ex-Alkoholiker namens Sentaro, der besagte Dorayaki in seinem bescheidenen Imbiss zwar anbietet, die kleine Leckerei aber genauso wenig mag wie sich selbst. "Die sind für euch", setzt er drei vorlauten Mädchen in Schuluniform die nicht formvollendet gelungenen Stücke vor, "wenn ihr geht."

Dafür kommt Tokue, eine alte Frau mit verkrümmten Fingern, die sich als Aushilfe bewirbt. Sentaro versucht sie mehr als einmal abzuwimmeln, doch als sie ihm schließlich von ihrer hausgemachten Paste zu kosten gibt,


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