Alte Musik Tipp Festival

Apokalypsen als "Entbergungen" der Natur

Lexikon | aus FALTER 02/16 vom 13.01.2016

Das traditionsreiche Festival für Alte Musik Resonanzen widmet sich heuer dem Thema "Apokalypsen". Das griechische Wort bedeutet "Enthüllung","Entbergung". Zur Eröffnung wird das Concerto Copenhagen unter Lars Ulrik Mortensen Georg Friedrich Händels "Israel in Egypt" aufführen, das von der biblischen Gestalt des Moses handelt. Ihm als Medium und Motor der Apokalypse in reinstem Wortverständnis entbirgt sich Gott -rückblickend -von Anbeginn durch seine wundersame Errettung vor dem Knabenmord des Pharao, ihn bestimmt er zum Retter Israels und rüstet ihn mit allen erdenklichen Wunderwaffen für die spektakuläre Flucht seines Volkes aus jahrhundertelanger Knechtschaft ins gelobte Land. Mit der Feier des Sieges über die ägyptischen Verfolger endet das prächtige Oratorium triumphal.

Tags darauf geht es um eine Katastrophe, die zu Allerheiligen 1755 die blühende Metropole Lissabon zerstörte und sich ins kulturelle Gedächtnis Europas einprägte. Begleitet von orkanartigen Stürmen, gefolgt von einem Tsunami und Feuersbrünsten legten drei gewaltige Erdstöße Lissabon in Schutt und Asche. Georg Philipp Telemann gedachte dieser Katastrophe mit 60.000 Opfern in seiner "Donner-Ode" mit einem martialischen Gotteslob.

50 Jahre früher komponierte Händel einen "Heiligen Dankgesang" als Cantata a voce sola con stromenti e coro für die Schonung Roms vor einem Erdbeben anno 1703. Unter der Devise "Ecce terrae motus" wird das Collegium 1704 diese Werke aufführen. Am Montag widmen sich I Turchini di Antonio Florio Klangbildern entfesselter Vulkane und Leidenschaften von Komponisten aus Venedig und Neapel, am Dienstag das Huelgas Ensemble im Gedenken an die Bartholomäusnacht Psalmen der Hugenotten, aber auch Pierluigi da Palestrina. HR Konzerthaus, Sa bis Di 19.30


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