STEIERMARK

Gedankengänge in Bewegung bringen

Innen an außen: Die Tanzperformance "A Wall for Maria" führt in viele Räume

Lexikon | MARIA MOTTER | aus FALTER 02/16 vom 13.01.2016

Was ist der denkende Körper? Diese aufs Erste sehr eigenwillig klingende Frage stellen sich Christina Lederhaas und Veza Maria Fernandez Ramos. Die beiden Choreografinnen und Tänzerinnen taten sich 2013 erstmals für ein Stück zusammen, jetzt zeigen sie die jüngste Produktion einer Serie. "Wir nennen die Arbeiten 'denkende Stücke'", sagt Fernandez Ramos. Gedankengänge und Dialoge sowie deren innere wie äußere Zwänge wollen sie in Bewegung und Sprache sichtbar machen.

Was bedeutet also Denken körperlich, darum drehen sich diese "Thinking Pieces". In "A Wall for Maria" geht es speziell um die Auseinandersetzung mit Wänden. "Was passiert, wenn man in einem Gedankengang nicht weiterkommt? Wände können trennen, aber auch halten. Wie kann man aber auch mit Wänden spielen, sowohl räumlich wie gedanklich? Und was passiert zwischen zwei Menschen, wenn sie einander nicht verstehen?", wirft Veza Maria Fernandez Ramos gleich eine Assoziationskette an weiteren Fragen auf. Fünfzig Minuten Spielzeit gibt es für dieses fantasieanregende Schauspiel und Experiment.

Die Bewegungen sind dabei sehr genau abgestimmt, aber Improvisation versteht sich von selbst. "Wir legen sehr genau fest, was wir unserem Körper zu tun befehlen und welchen Zustand und welche Emotion wir erregen. Das üben wir auch lange, bis alles genau so abläuft wie geplant. Einige Teile sind fix choreografiert. Durch die beabsichtigten Emotionen müssen wir ein bisschen Raum lassen, sonst sieht das Publikum nicht, wie die Zustände im Körper langsam wachsen", erklärt Fernandez Ramos. Die Maria im Titel könnte sich dabei als eine von vielen Referenzen einstellen, wenn die Performerinnen etwa ihre Hände nach außen bewegen und Wände durch diese sakral anmutenden Gesten plötzlich mächtig erscheinen. Und die unterschiedlichen Materialien des Space04 des Kunsthauses hat man bestimmt noch nicht derart beachtet.

Doch bei aller Ernsthaftigkeit punkten Lederhaas und Fernandez Ramos stets wie bisher mit ihrem Humor, der ihre Stücke zu unterhaltsamen Erlebnissen macht. Die Tanzwelt wäre oft intellektuell, es gebe große Konzepte und große Wörter. "Wir nehmen diese Wörter und versuchen, nah an ihnen zu bleiben, körperlich und mit Humor zu arbeiten. Diesmal tragen wir Kostüme, als wären wir Aliens."

Unerschöpflich ist die Wechselbeziehung zwischen Denken und körperlicher Bewegung. Im Alltag schenkt man dieser Tatsache kaum Beachtung. Ein schöner Anlass, bewusst hinzuschauen.

Kunsthaus, Graz, Do (14.1.), Sa 17.00, weitere Termine: 23. und 30.1., 17.00


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