Film Neu im Kino

Absurdes aus Belgien: "Das brandneue Testament"

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 02/16 vom 13.01.2016

Gott ist ein derber Tyrann in Bademantel und Schlapfen, der in einer düsteren Wohnung in Brüssel lebt. Seine Frau beschimpft er, seine zehnjährige Tochter Éa schlägt er, wenn sie nicht spurt, und seinen Sohn Jesus, der nach seinem Tod in der Wohnung nur noch ab und zu als lebendige Ministatue existiert, hasst er. Noch mehr hasst Gott allerdings sich selbst, und da ihm nichts anderes Freude verschafft, hat er die Menschheit erfunden, um sie zu quälen.

Éa hat eines Tages genug von der Tyrannei, büxt aus der Wohnung aus und begibt sich in die Menschenwelt, um mit sechs zufällig ausgewählten Aposteln ein neues Testament zu schreiben. Zuvor hat sie allen Menschen jedoch noch den Moment ihres Todes verraten, um sich an ihrem Vater zu rächen.

Jaco Van Dormael schuf mit "Das brandneue Testament" eine surreale Komödie, die nicht nur christliche Vorstellungen auf den Kopf stellt -nach dem Tod komme nichts, verkündet Éa, die Welt selbst sei das Paradies -, sondern vor allem von dem Gedankenexperiment lebt, was passiert, wenn jeder Mensch seinen Todeszeitpunkt kennt.

Mit dem obdachlosen Victor als Schreiber sucht Éa die Apostel auf, die allesamt ein recht klägliches Leben führen. Sie erzählen ihr Geschichten aus ihrem Leben und finden mit Éas Gabe, ihre jeweils individuelle innere Musik hören zu können, neues Glück. Der Film nimmt dabei immer absurdere Züge an, die amüsieren oder auch befremden können -etwa wenn Martine (Catherine Deneuve), in der Zirkusmusik spielt, einen Gorilla freikauft und dieser ihr Liebhaber wird. Vorhersehbarkeit kann man der originellen Komödie, die das Prinzip "Sei du selbst und carpe diem" im Herzen trägt, nicht vorwerfen. Einen Oscar für Tiefgang wird sie allerdings auch nicht bekommen.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige