Die Anschläge von Paris

Der Theoretiker Guy Debord beleidigte Charlie Chaplin und hasste die Mediengesellschaft. Nun werden seine Filme im Filmmuseum präsentiert

Feuilleton | WÜRDIGUNG: MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 03/16 vom 20.01.2016

Die Offstimme kündigte an: "Kurz vor Beginn der Vorführung sollte Guy-Ernest Debord auf die Bühne kommen, um einige Einführungsworte zu sprechen. Er hätte gesagt: 'Es gibt keinen Film. Die Filmkunst ist tot.'"

Zu sehen bekam das Publikum im Pariser Kinoclub der Avantgarde an jenem Juniabend 1952 nicht mehr als eine weiß angestrahlte Leinwand. Schon bald darauf brachen einige Besucher und die Kinoleitung die Aufführung ab, "nicht ohne Gewaltanwendung", wie der Maler Asger Jorn berichtete.

Ein filmisches Pamphlet über den Tod des Kinos: Mit diesem Skandal machte ein damals 21-jähriger Rabauke auf sich aufmerksam, der zu den rätselhaftesten und einflussreichsten Anti-Künstlern und Theoretikern seiner Zeit gehört.

Guy Debord wurde 1931 in eine bürgerliche Familie hineingeboren und wuchs nach dem frühen Tod des Vaters in Cannes auf. Er war der Kopf der Avantgardegruppe Situationistische Internationale (SI), hinterließ der Nachwelt nicht viel mehr als einige Publikationen und eine


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