Nüchtern betrachtet

Im Jänner bin ich ständig am Würfelchenrösten

Feuilleton | aus FALTER 03/16 vom 20.01.2016

Jänner ist der gleichförmigste Monat, deckelt mit Hochnebel die Stadt und räumt mir mit Schlossgold den Kühlschrank voll. In aller Herrgottsfrüh schon zieht Wintergemüs' durch mein Gemüt, denn Suppe ist alles, worauf ich sinne. Die Ferien vom Getränk führen bei mir nämlich zu einer milden Kochobsession, die mir aber durchaus zupass kommt, weil mir eh ein bissl fad ist in der Mundhöhle, in der Gurgel und im Schädel.

Auf meinem Gaudenzdorfer Gasherd habe ich vor Jahrzehnten einmal Hanoi-Suppe zubereitet. Die musste laut Rezept 24 Stunden lang köcheln. Ich bin zwar überzeugt, dass es mit vier, ja vermutlich auch mit eineinhalb Stunden genauso getan gewesen wäre, aber als autoritärer Charakter, der prinzipiell macht, was ihm angeschafft wird, habe ich mich natürlich strikt ans Rezept gehalten. Und wenn man in dem Wissen zu Bette geht, dass auf dem Herd ein Topf mit Hühnersuppe vor sich hin simmert, träumt man meistens auch was Schönes -irgendwas, in dem die Frauen vom Sandstrand


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