Deutsch sprechen! Oder ...

Weil sie in ihrem Garten Kroatisch sprachen, wurden Dragana S. und ihre kleinen Töchter massiv bedroht. Die Polizei nahm erst gar keine Anzeige auf

Steiermark | BERICHT: GERLINDE PÖLSLER | aus FALTER 03/16 vom 20.01.2016


Foto: J. J. Kucek

Foto: J. J. Kucek

Ende Mai 2015, eine ruhige Straße am Rand von Graz. Ein Einfamilienhaus mit Garten und Trampolin. Es ist ein lauer Abend, etliche Leute sitzen auf den Balkonen oder in den Gärten. So auch Dragana S.*, eine zarte 32-Jährige und gebürtige Bosnierin, mit ihren zwei kleinen Töchtern, zwei und vier Jahre alt. Diese spielen, springen im Trampolin und singen. In ihrer Muttersprache. Das stört zwei Männer im Nebenhaus. Dragana S. glaubt zuerst, die beiden würden miteinander streiten, bis sie mitbekommt: „Der eine zeigt ja auf mich, die schreien zu mir herüber.“ Sie versteht nicht alles, aber so viel: Dass sie und die Kinder „Deutsch sprechen“ sollen. Eine Nachbarin ruft ihr zu, sie sollten schnell ins Haus gehen, sie glaubt, die Männer würden herkommen. Sie soll Recht behalten.

Was Dragana S. und ihren Kindern widerfahren ist, heißt in der Fachsprache „Hate Crime“. Sie wurden beschimpft und attackiert, weil sie Migrantinnen sind. Anderen passiert das, weil sie als Muslime erkennbar sind, weil man annimmt, sie seien Flüchtlinge oder weil sie Frauen sind. Meistens bleiben diese Attacken ungeahndet, weil die Täter nicht mehr greifbar sind, die Opfer keine Anzeige erstatten – oder die Polizei die Sache nicht ernst nimmt. So war es auch bei der Familie von Dragana S. Vorerst.


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