Sport Glosse

Kitzbühel und die Angst vor der Nacktheit der Berge

Stadtleben | aus FALTER 03/16 vom 20.01.2016

Kitzbühel ist wieder, Hochamt der Tüchtigen und Chauvinisten, wo Sport gepredigt und Glühwein getrunken wird. Kitzbühel verwendet viel Mühe und Geld darauf, als Kathedrale des Skisports zu gelten.

Sie verwenden viel Mühe darauf, die Abfahrt zu einem lebensgefährlichen Abenteuer für die Rennfahrer zu machen. Wer das überlebt und gar gewinnt, ist auserwählt unter den Sterblichen und erweckt Furcht und Zittern in den Zusehern. Hinter dem Getöse steckt die Angst um das Geschäftsmodell. Die Berge um Kitz sind zu niedrig, um schneesicher zu sein, der Start der Streif liegt auf 1665 Metern.

St. Christoph, von wo die Lifte den Arlberg raufgondeln, liegt auf 1800 Metern. Die Sorge um den eigenen Platz und Rang in der Geschichte macht erfinderisch. Mitte Dezember behauptete der Präsident des Kitzbüheler Ski Clubs Michael Huber auf einer skihistorischen Tagung in St. Christoph, in Kitzbühel habe 1906 die erste Abfahrt ("Downhill") der Geschichte stattgefunden. Das war 25 Jahre vor den ersten Regeln für Skirennen. Das klingt nach dem Bauern, der seinen Leiterwagen als erstes Auto bezeichnet. Ja, die Alpen tragen seltener Schnee und die Angst vor ihrer Nacktheit geht um in den Tälern.


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