Film Neu im Kino

Emotional zeitlose Reise in die 1950er: "Brooklyn"

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 03/16 vom 20.01.2016

Die junge Eilis Lacey leidet unter der Kleinkariertheit und Enge des irischen Städtchens, in dem sie Anfang der 1950er-Jahre lebt. Sie arbeitet im Lebensmittelgeschäft der bösartigen Miss Kelly, die mit ihrer Verurteilung anderer Menschen nicht hinterm Berg hält. Auch die Männer des Orts langweilen Eilis. Doch sie hat große Pläne: Sie wird nach Brooklyn auswandern. Der Abschied von ihrer Familie fällt ihr schwer, aber schon geht die Reise los.

John Crowley verfilmte mit "Brooklyn -Eine Liebe zwischen zwei Welten" Colm Tóibíns gleichnamigen Roman. Das Drama konzentriert sich ganz auf Eilis' Weg: Von der anstrengenden Schiffsreise über die Frauenpension, in der sie lebt, von ihrer Arbeit in einem Kaufhaus über die Abendkurse in Buchhaltung, die sie belegt, vom furchtbaren Heimweh bis zum Werben des Klempners Tony, in den sie sich verliebt -ohne bestimmte Ereignisse hervorzuheben, beobachtet der Film den Alltag seiner Protagonistin mit großer Ruhe. Das Publikum fällt buchstäblich ins New York der 1950er-Jahre, versinkt in einer anderen Zeit.

Eine Wendung nimmt das Auswandererdrama, als Eilis nach einem Schicksalsschlag in ihre Heimat zurückkehrt. Ein anderer Mensch geworden, tun sich ihr hier sowohl beruflich als auch privat neue Perspektiven auf. An der Gabelung zwischen zwei Lebensentwürfen muss sie sich zwischen Irland und den USA, zwischen ihren alten und neuen Bezugspersonen entscheiden. Ohne Moral, ohne Message oder Voice-over, in dem Eilis (wunderbar gespielt von Saoirse Ronan) ihre Gefühle erläutern würde, baut "Brooklyn" dabei eine große emotionale Bandbreite auf und drückt sich nicht um eine existenzielle Wahrheit herum: Schmerz und Glück wechseln sich in einem Menschenleben unaufhörlich ab.

Ab Fr in den Kinos


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