Mediaforschung Verführungskolumne

Warum will der Bierproduzent, dass Männer weniger saufen?

Medien | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 03/16 vom 20.01.2016

Nach Berechnungen des Anton-Proksch-Instituts sind 360.000 Österreicher alkoholkrank. Jedes zweite alkoholische Getränk, das sich der gemeine Österreicher in den Rachen schüttet, ist ein Bier. Die runtergeschluckte Menge an Gebräu hat sich seit Beginn der Messung eklatant erhöht. 1955 soff der Österreicher 60 Liter im Jahr. 2011 -das ist das letzte Jahr, das das "Handbuch Alkohol" des Gesundheitsministeriums erfasst -waren es 104,2 Liter Bier. Das ist der Schnitt. Das ist ein Problem.

Die größte Brauerei Europas heißt Heineken, sie sitzt in den Niederlanden und macht laut Handelsblatt einen Umsatz von 35 Milliarden Euro. Zum Konzern gehört etwa auch die österreichische Brauunion, zu der wiederum die Marken Gösser, Zipfer, Wieselburger und Puntigamer zählen. Die Marke Heineken ist das Aushängeschild des Konzerns. Für sie wurde nun ein bemerkenswerter Spot kreiert. Models singen sich beim Ausgehen den Frust vom Leib. Mit den Zeilen des 1980er-Hits "I Need a Hero" auf den Lippen wenden sie sich angewidert von rauschigen, teils regungslosen Männern ab. Der Held erscheint zum Schluss: Er winkt ab, als ihm die Kellnerin seine leere Heineken-Flasche gegen eine volle austauschen will. Slogan: "Moderate Drinkers Wanted".

Was will uns der Konzern damit sagen? Entweder, dass er gern auf ein paar Milliarden Euro verzichten würde -zum Wohle der Menschheit. Oder etwas in der Art: "Wir stehen fürs gute Wort Genuss, nicht fürs böse Wort Alkoholkrankheit. Schaut, wir werben sogar damit! Nobel, gell. Kauft uns!"


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