Kinonacht mit Tiger

Filme bei freiem Eintritt: Österreichweit laden 15 Kinos zur 6. Nacht der Programmkinos

Lexikon | VORSCHAU: SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 03/16 vom 20.01.2016


Foto: Viennale

Foto: Viennale

Löwen und Tiger als Haustiere? Wie sie und ihr damaliger Gatte Noel Marshall auf die Idee verfallen waren, in den 1970er-Jahren mit Großkatzen zusammenzuleben und mit ihnen einen Film zu drehen, erläuterte Tippi Hedren als Stargast der vergangenen Viennale nicht.

Beim Galagespräch im Gartenbaukino ließ die US-Schauspielerin aber keinen Zweifel daran, dass es sich nicht um den besten Plan aller Zeiten gehandelt hatte: Während der Dreharbeiten kam es zu schweren Verletzungen der Schauspieler und Crewmitglieder, darunter Hedren selbst sowie ihre Tochter Melanie Griffith. Sie habe daraufhin erkannt, dass ein solch enger Kontakt zu vermeiden sei, sprach Hedren auch 35 Jahre später noch im Brustton der Überzeugung.

Nach dem Brustton der lieben Tierchen wurde die filmgewordene Wahnsinnsidee von Regisseur Noel Marshall benannt: „Roar“. Der 1981 fertiggestellte Abenteuerfilm, der von der Familie eines Großkatzenforschers handelt, die unerwartet auf dessen Studienobjekte trifft, ist am 22. Jänner als Eröffnungsfilm der 6. Nacht der Programmkinos um 20.30 Uhr im Gartenbaukino zu sehen.

2011 ins Leben gerufen, rückt diese Kinonacht bei freiem Eintritt die österreichischen Programmkinos in den Mittelpunkt, die sich dem internationalen und nationalen Arthousefilm verschrieben haben. Bundesweit findet die Nacht der Programmkinos heuer an 15 Spielorten statt. Nach „Roar“ zeigt das Gartenbau Sean Bakers „Tangerine“, der ebenfalls eine außergewöhnliche Machart aufweist: Die humorvolle Geschichte über Sin-Dee Rella, eine transsexuelle Prostituierte, die das weihnachtliche Hollywood nach ihrem untreuen (Zuhälter-)Freund absucht, wurde mit einem iPhone gedreht.

Eine ganze Trilogie kann man sich im Filmhaus Kino am Spittelberg zu Gemüte führen. Inspiriert von der gleichnamigen Erzählung widmet sich der portugiesische Filmemacher Miguel Gomes im Triptychon „1001 Nacht“ tragischen und komischen, realistischen und fantastischen Geschichten seiner Heimat und den Auswirkungen der Wirtschaftskrise.

Ein Kapitel der jüngeren österreichischen Geschichte behandelt Gerald Igor Hauzenbergers Dokumentarfilm „Last Shelter“, der im Stadtkino im Künstlerhaus gezeigt wird. Drei Jahre lang begleitete Hauzenberger jene Flüchtlinge, die im Dezember 2012 die Wiener Votivkirche besetzten. Im Anschluss folgt als Preview eine traumwandlerische Fabel aus Thailand: „Cemetery of Splendour“ von Apichatpong Weerasethakul erzählt von Soldaten, die an einer mysteriösen Schlafkrankheit leiden, den sie pflegenden Frauen und den Geistern der Vergangenheit.

Das Filmcasino lädt zu einer Island-Nacht: Ab 20.30 Uhr gibt es Bar-Specials und Musik von der Insel, danach ist Grímur Hákonarsons „Sture Böcke“ zu sehen. Die schräge Komödie handelt von verfeindeten Brüdern, die sich zur Rettung ihrer Schafzucht wieder zusammenraufen müssen.

Humorvoll-Absurdes hat auch das De France programmiert. „Das brandneue Testament“ aus Belgien stellt christliche Vorstellungen mit einem sadistischen Gott und seiner menschenfreundlichen Tochter auf den Kopf. In Peter Luisis Tragikomödie „Schweizer Helden“ bringt die frisch getrennte Hausfrau Sabine mit einer Gruppe von Asylwerbern die Geschichte von Wilhelm Tell auf die Bühne.

Vier höchst unterschiedliche Filme präsentiert das Votivkino. In „Freunde fürs Leben“ finden die Kindheitsfreunde Julian und Thomas, die sich aus den Augen verloren haben, wieder zusammen. Doch so groß die Freude ist, so nah liegt auch der Abschied für immer. „Carol“ mit Cate Blanchett in der Hauptrolle erzählt in großartiger Kulisse von einer lesbischen Liebe im New York der 1950er, während „Dheepan – Dämonen und Wunder“ das Schicksal dreier Flüchtlinge aus Sri Lanka zum Inhalt hat.

Was als sensible Migrationsstudie in einem Pariser Vorort beginnt, mündet in einen atemberaubenden, genresprengenden Showdown. Als Genrebruch ist auch Eli Craigs Splattermovie-Parodie „Tucker & Dale vs. Evil“ konzipiert. Eine Gruppe von Studenten trifft darin auf zwei vermeintliche Killer, die jedoch nur harmlose Hinterwäldler sind. Ein Blutbad lässt sich leider trotzdem nicht vermeiden.

Constantin Wulffs vieldiskutierter Einblick in die Kinder- und Jugendpsychiatrie, „Wie die anderen“, steht im Grazer Kiz Royal neben zwei Komödien auf dem Programm: Éric Lartigaus „Verstehen Sie die Béliers?“ und Peter Bogdanovichs „Broadway Therapy“. Die weiteren teilnehmenden Kinos sind das Cinema Paradiso in St. Pölten und Baden, das City Kino und das Moviemento in Linz, das Programmkino Wels, das Volkskino Klagenfurt sowie das Cinematograph und das Leo in Innsbruck.

Information: www.programmkino.at


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