"Mein Fleisch lacht"

Die Tänzerin und Choreografin Doris Uhlich erklärt, was schamhafte Menschen in ihren Workshops lernen, warum sie sich untenrum nicht rasiert und wie sie sich auf der Bühne gegen die aktuelle Paranoia und Ängstlichkeit stark machen möchte

INTERVIEW: KLAUS NÜCHTERN UND SARA SCHAUSBERGER | Feuilleton | aus FALTER 03/16 vom 20.01.2016


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Doris Uhlich ist die Frau, deren Performances auch Menschen kennen und schätzen, die ansonsten mit Tanz nichts am Hut haben. Uhlich sieht nicht wie eine Ballerina aus, sie tanzt nicht wie man das von anderen Dance-Athleten (welcher Provenienz auch immer) gewohnt ist, und wenn sie und ihre Kolleginnen und Kollegen nichts anhaben, sind sie nicht unbekleidet, sondern nackert. „more than naked“ betitelt sich ihre vielleicht bekannteste Arbeit, in der 20 Tänzerinnen und Tänzer unter Anleitung von Nackt-DJ Uhlich ihr Fleisch auf der Bühne zittern, wackeln und wabbeln ließen.

In „Boom Bodies“, ihrer jüngsten Arbeit, steht die Künstlerin selbst allerdings nicht auf der Bühne, und alle anderen haben was an. Das lässt Uhlich die Falter-Redakteure, die sie in ihrem Büro im MQ besuchen, gleich vorab wissen. Sie ist wohl ein bisschen genervt, dass ihre Arbeit ausschließlich mit Nacktheit auf der Bühne assoziiert wird und die Kritiker stets erwähnen, dass sie mehr Fleisch auf den Knochen hat als herkömmliche Performer. Andererseits ist die in unverschnittenem Oberösterreichisch parlierende Uhlich eine vollkommen unkomplizierte und -zimperliche Gesprächspartnerin von verlässlicher Grundgutgelauntheit, die vom Fotografen gleich einmal wissen will, wie und wo und was … Ach so, ja gut. „Dann lass ich meinen Arsch lachen.“

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