Neue Platten

Feuilleton | aus FALTER 03/16 vom 20.01.2016

Pop

Daughter: Not to Disappear

Das englische Trio Daughter wird gerne mit The xx verglichen. Die Band um Sängerin Elena Tonra weiß, wie man Intimität erzeugt. Dabei hat sie es aber nicht ganz so mit Minimalismus, sondern bläst ihre Gitarren schon mal auf Breitwandformat auf, um in Schwermut zu baden. Daughter nehmen das Leben sehr ernst. Themen auf "Not to Disappear" sind etwa Demenz und Einsamkeit trotz Zweisamkeit: "There's only been one time where we fucked, and I felt like a bad memory." Gute Musik, um sich schlecht zu fühlen. (4AD) SF

Pop

Fat White Family: Songs for Our Mothers

Als eine der gegenwärtig abgedrehtesten Bands Englands setzen Fat White Family auf Irritation statt auf Entertainment. Ihr Debüt titelte 2013 "Champagne Holocaust"; in den zehn neuen Liedern besingen sie etwa die letzten Stunden im Führerbunker. Fascho-Alarm also? Nein, keineswegs. Provokation und Verwirrung-Stiften aber durchaus. Dazu Industrial in der Lounge-Exotica-Version, Seltsampop und liebe Grüße aus dem Varieté der gepflegten Kaputtheit. (Without Consent) GS Live: am 23.1. beim FM4-Fest in der Ottakringer Brauerei

Klassik

Grigorij Sokolov: Schubert/Beethoven

Sokolov meint es derzeit gut mit uns. Nur ein Jahr nach "The Salzburg Recital" legt der russische Pianist einen weiteren Konzertmitschnitt vor (Studios meidet er konsequent). Einmal mehr zeigt er sich als Meister der Extreme, überrascht mit einem herrlich frischen Schubert ohne Patina oder Sentiment und serviert Beethovens große Hammerklavier-Sonate dafür ungewohnt mild und poetisch. Als Draufgabe gibt es einen berauschenden Rameau-Reigen und Brahms, alles in vollkommener Klangschönheit. (DG) MDA


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