Kommentar Rassismus

Differenzierung ist Zivilisation: Unsere Werte sind in Gefahr

Falter & Meinung | FLORIAN KLENK | aus FALTER 03/16 vom 20.01.2016

Differenzierung ist Zivilisation", schrieb der Internet-Kritiker Sascha Lobo kürzlich auf Spiegel Online. Und zivilisiert zu sein bedeute, "nacheinander neun Schwarzhaarigen zu begegnen, die sich alle als Arschlöcher erweisen, und trotzdem dem zehnten Schwarzhaarigen nicht deshalb in die Fresse zu hauen".

Diesen Satz sollte man als Präambel ins österreichische Antidiskriminierungsgesetz aufnehmen. Denn der zivilisatorische Wert, der von diesem Gesetz ausgeht, ist bei den Eliten der Gesellschaft offenbar nicht angekommen.

Da verweigert ein Arzt, der sich im Fernsehen gerne damit brüstet, osteuropäische Frauen zu "importieren", Asylwerbern generell die Behandlung.

Ein oberösterreichischer Anwalt, der sich als "volkstreu" definiert, will Asylwerbern die Vertretung versagen, weil er sie für uneinsichtiges Gesindel hält.

Und dann ist da noch der Bürgermeister von Korneuburg, der Flüchtlingen den Zutritt zum Hallenbad nur noch in Begleitung erlaubt, weil einige von ihnen Frauen anquatschten und in die Damenduschen spechtelten.

Differenzierung ist Zivilisation: Wer mit Fremden keine Geschäfte machen will oder ihnen den Zutritt verwehrt, der muss besondere Gründe nennen. Herkunft, Rechtsstatus oder gar der Verweis auf eine angebliche "Rasse" oder Volkszugehörigkeit sind keine Gründe, sondern Pauschalisierungen, die Menschen -egal wie sie sich benehmen -ihrer Rechte entkleiden. Das ist Rassismus. Dagegen müssen nicht nur Anwalts-und Ärztekammern entschieden und mit strengsten Strafen vorgehen, sondern auch all jene, die den Flüchtlingen zu Recht "unsere Werte" näherbringen wollen: wir.


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