Musiktheater Kritik

Eine gute Maturaklasse versucht Brecht zu spielen

aus FALTER 03/16 vom 20.01.2016

Das Stück mit Musik aus dem Jahr 1928 "Die Dreigroschenoper" ist zu Recht ein Klassiker des Sozialdramas geworden. Die genialen Texte und Formulierungen Bertolt Brechts für die Songs, Moritaten und Balladen wurden in der in ihrem Raffinement später von ihm selbst niemals mehr übertroffenen Musik von Kurt Weill zu mit einprägsamen Melodien verbundenen Chiffren, Slogans, ja, wenn man will, "Goethe-Zitaten".

Wer kennt nicht die das Stück einleitende, hier abwechselnd von den Protagonisten gesungene Moritat von Mackie Messer ("Und der Haifisch, der hat Zähne "), den von Polly Peachum bei ihrer Hochzeit mit Macheath gesungenen Song von der Seeräuber-Jenny und dem "Schiff mit acht Segeln und fünfzig Kanonen" oder von der sexuellen Hörigkeit ("Ja, da muss ich mich einfach hinlegen"), Peachums Lied "Von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens" ("Ja, mach nur einen Plan /Sei nur ein großes Licht ") oder das von den "Verhältnissen", die nicht so sind, wie sie sein sollten. Allein das ist Grund genug, sich diese "Anti-Oper" anzusehen.

Aber nur brav und temporeich befolgte Regisseur Keith Warner mit den Protagonisten (darunter Tobias Moretti, Florian Boesch, Angelika Kirchschlager, gut Nina Bernsteiner und etwas zu dezent Anne Sofie von Otter) etwas stur alle Anforderungen Brechts ans epische Theater, die dennoch verstaubt wirkten, auch durch die Kostümierung im Stil der 1950er-Jahre. Eine wahre Feststellung Warners: Er fände es gut, dass für Weill und Brecht bald der Urheberschutz ende. Aber man konnte und kann es trotz diesem auch heute besser machen, wenn man wirklich ein Konzept hat. Auch das klein besetzte Orchester des Klangforum Wien erreichte unter Johannes Kalitzke nicht ganz das freche Format wie das Ensemble Modern. HR Theater an der Wien, Sa, Mo, Do 19.00 (bis 30.1.)


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