Menschen

Ballgeflüster

Falters Zoo | Lukas Matzinger, Barbara Tóth | aus FALTER 04/16 vom 27.01.2016

Das war 's mit der Wiener Ballsaison. Sagen zumindest alle, die sich auskennen und wissen, dass der feinste und schönste Ball der Stadt nicht der Opernball ist, sondern der Ball der Wiener Philharmoniker, der letzten Donnerstag im Musikverein stattfand. Warum? Weil er ein echter Künstlerball ist, weil der Konzertsaal so unfassbar schön ist, wie aus einem nie geschriebenen Wiener Märchen, weil das Gebäude nicht so verwirrend weitläufig ist wie die Oper und man Gesichtern und Gästen immer wieder über den Weg läuft, weil der Ballheurige im Zwischenstock mit seinen dunkelgrünen Lauben so winzig ist, dass man das Gefühl hat, in ein Puppenhaus eingebrochen zu sein, weil die Presse nicht so verrückt spielt - und, und, und. Ildiko Raimondi, Peter Simonischek, Sunnyi Melles und Alexander Pereira waren da, Dagmar Koller strahlte, Tobias Morett i polterte, Gery Keszler wirkte als Ballgast sehr entspannt, entspannter als als Lifeball-Chef, ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner amüsierte sich mit Regisseur Harald Sicheritz. Natürlich tanzte Rudolf Hundstorfer, SPÖ-Präsidentschaftskandidat und sicherlich der Ballbegeistertste aller einstigen und zukünftigen Präsidentschaftskandidaten (Ballmuffel Heinz Fischer natürlich mit eingeschlossen), fleißig, unter anderen mit Bildungsministerin Gabriele HeinischHosek. Ball-Stammgast Oliver Rathkolb, Historiker und Mann einer Sängerin, drehte eine Parkettrunde mit Stadträtin Sonja Wehsely. Weil ein Wiener Ball ohne Ballgeflüster nicht auskommt, tauschte man sich angeregt zwischen den Logen darüber aus, ob Maria Großbauer, Gattin von Philharmoniker-Chef Andreas Großbauer, die nächste Opernballchefin werden könnte und was das nun für das Wechselspiel der beiden Bälle bedeuten würde. An Stil fehlt es der PR-Fachfrau Großbauer nicht. Das Gerücht sei "ein Kompliment", kommentierte sie höflich.

Doch, ja, es gibt dieser Tage auch Meldungen, die betroffen machen. The one and only Opernball-Chefin Desirée Treichl- Stürgkh has left the building. Also noch nicht ganz. Diesen heurigen Ball macht sie schon noch - er wird ihr "Prunkstück", lässt sie wissen -, doch dann ist Schluss. Nach neun Jahren Staatsgewalze legt sie ihr Amt als oberste Ballorganisatorin des Landes nieder. Ihre Familie und ihr Verlag sollen zukünftig wieder mehr Hinwendung bekommen. Der Schock saß tief. Doch sogleich folgt das Happy End: Frau Treichl-Stürgkh bleibt der Öffentlichkeit erhalten. Sie wird 2017 eine Primetime-Sendung auf Servus TV bekommen. Die wird "Wo Erben erben" heißen, eine Nachfolgeshow von "Wo Grafen schlafen" sein und sich mit dem Innenleben reicher Familien beschäftigen. Immerhin.

Außer Ball war noch ein bisschen was anderes los in dieser Stadt. Am Vorabend des Österreichischen Filmpreises etwa kamen die meisten Nominierten zu einer kleinen Gala im Wiener Rathaus zusammen. Die Akademie-Präsidenten Stefan Ruzowitzky und Ursula Strauss empfingen, Erwin Pröll war auch da. Gewonnen haben tags darauf das in 25 Länder verkaufte Horror-Kammerspiel "Ich seh, Ich seh", dazu Menschen aus "Jack","Ma Folie","Einer von uns" und "Alles wird gut". Kurz: Der österreichische Film feierte sein ziemlich fettes 2015.

Böse Zungen bekundeten nach dem Ende der "Ära Raab" Sorge, dass nun einige ihm angehangene Menschen in die Arbeitslosigkeit abgleiten könnten. Showpraktikant Elton etwa oder die blonde Moderatorin Sonya Kraus. Was die beiden alten Fremdschäm-Protagonisten Ingrid und Klaus angeht, stimmt das nicht. Die beiden sind nun für Clubbings zu buchen. Zuletzt haben sie am Freitag in der neuen Wiener Großraumdisco Bollwerk zum jungen Partyvolk gesprochen. Warum eigentlich?


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige