Erstaunliche Blicke aus schweren Zeiten

Kunstwerke aus der Sammlung des DöW bergen Eindrücke aus der Zeit des Austrofaschismus und des Nationalsozialismus

Lexikon | Maria Motter | aus FALTER 04/16 vom 27.01.2016

Weltberühmt sind Alfons Waldes Gemälde von Schifahrern und heimischen Winterlandschaften. Einen Mann in Häftlingsuniform mit erhobener Hand zeigt indes sein Werk "Wir klagen an". Es ist eines jener Bilder, die zur an die 200 Exponate umfassenden Sammlung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes in Wien gehören. Ein Teil davon hängt in Büros der Institution sowie am Gang, der zum Benutzerraum führt, aber bewusst anschauen kann man sich einen Teil der Werke jetzt im GrazMuseum. Günther Holler-Schuster hat Werke für eine Ausstellung zusammengestellt, die bereits im Rahmen der Wiener Festwochen 2015 gezeigt worden war. Zum 27. Jänner, dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, wird die Ausstellung in Graz eröffnet (16.30 Uhr).

Stadt, das sei zugleich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, hält der Direktor des Museums, Otto Hochreiter, fest. Widerstand, Verfolgung und Exil spiegeln sich in den Gemälden. Die Biografien der Künstler erzählen von Kriegsgeschehen, Haft in Konzentrationslagern, von Flucht und Exil. "Peretz Béda Mayer etwa musste ins Exil gehen. Den Schiffstransport österreichischer Juden nach Mauritius 1939 hat er in Holzschnitten verarbeitet. Hans Maršálek war im KZ Mauthausen und hat die Köpfe der Wachmannschaften gezeichnet", weiß Ursula Schwarz, Historikerin und Mitarbeiterin des DöW. Aber nicht alle Künstler der ausgestellten Arbeiten waren im Widerstand. Thematisch widmet sich die Schau nicht allein der Zeit des Nationalsozialismus, sondern will auch den Austrofaschismus betrachten. Der gebürtige Grazer Leskoschek malte etwa den "Spitalsgarten in Wöllersdorf". Vor über 40 Jahren wurde des 12. Februar 1934 noch mit Fackelzügen gedacht und in Gemeindebauten hatte es "Februarfeiern" gegeben, erklärt Schwarz. Die historischen Fakten zu den Bildern liefert ein Audioguide. Am 7.2., 15 Uhr, wird Günther Holler-Schuster durch die Ausstellung führen.

GrazMuseum, Mi-Mo 10.00-17.00 (bis 25.4.)


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