Ohren auf Aus lokalem Anbau

500 Millionen Hooligans und andere Härtefälle

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 04/16 vom 27.01.2016

Am Beginn waren Valina Mitte der 1990er-Jahre Teenager, die sich an US-amerikanischen Noiserock-Vorbildern abgearbeitet haben. In der Folge ist das Linzer Trio viel herumgekommen - rund 700 Konzerte in aller Welt schlagen zu Buche -, und es hat auf der Basis harter, ganz klassisch mit Bass, Schlagzeug und Gitarre gespielter Rockmusik vor allem auch einen eigenen Sound entwickelt: Abstraktion spielte da neben Intensität und Verdichtung eine wichtige Rolle, für eine Free-Jazz-Tröte war zuletzt ebenfalls gerne Platz.

Mit einem angenehm unpathetischen Text erklärten Valina im Herbst letzten Jahres die bevorstehende Auflösung. Nun sind die letzten Konzerte gegeben, und mit "In Position"(Trost), erneut bei Steve Albini in Chicago aufgenommen, liegt ein finaler Tonträger vor. Sechs Songs respektive eine halbe Stunde lang spielt die Band zum Abschied in großer Form. Der Blick nach Europa fällt zornig-politisch aus ("500 Millionen Hooligans"), gleichzeitig sind aber auch beinahe zärtliche Momente möglich. Valina sind hier noch einmal spröde, schroff und trocken-wuchtig, dabei aber nicht abweisend, sondern durchaus zugänglich und stellenweise sogar auf ganz eigene Weise poppig.

Die einen hören auf, die anderen legen los: Das Grazer Duo Baguett e findet mit Gitarre/Gesang plus Schlagzeug das Auslangen und präsentiert mit "Oh!Deu!Vre!"(Numavi) ein Debüt im Zeichen firlefanzfreien, krachigen Rocks zwischen Luftholen und Frontalangriff, dem der Schmäh letztlich ebenso wichtig ist wie das Krawallschlagen.

Doomina aus Klagenfurt haben einen bedrohlichen Namen, fürchten muss man die vier in teils sehr ausladenden Stücken rein instrumental agierenden Postrocker aber nicht. Auf ihrem zweiten Album "Doomina" (Noise Appeal) langen sie bisweilen zwar ordentlich hin, auf Poesie ohne Worte verstehen sie sich allerdings auch.


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