Von der dunklen Seite der Macht

In "My Talk with Florence" redet sich ein Opfer von Otto Muehl den Missbrauch von der Seele

Feuilleton | Filmkritik: Michael Omasta | aus FALTER 04/16 vom 27.01.2016

Wenn sie von ihrer Teenagerzeit erzählt, hat man unwillkürlich Bilder aus Agnès Vardas eisigem Film "Vogelfrei" vor Augen. So wie dort Sandrine Bonnaire, so lebte auch Florence Burnier-Bauer mehrere Jahre lang auf der Straße, stromerte durch die französische Provinz, schlug sich als Erntehelferin und gelegentlich als Prostituierte durch - bis sie Ende 1980 erstmals die Kommune am Friedrichshof besuchte.

"My Talk with Florence", die neue Arbeit des österreichischen Dokumentarfilmers Paul Poet, ist kein schöner Film. Es ist der Lebensbericht einer von frühester Jugend an schwer misshandelten Frau: eine ungeschlachte Erzählung in ungeschlachten Bildern - wie in zwei großen, langen Atemzügen, ohne Schnitt, gedreht.

Schon als kleines Mädchen, erzählt Florence, sei sie von ihrem Großvater missbraucht worden, später auch von ihrem Vater. "Ich habe immer nur geträumt", sagt sie über ihre Peiniger, "ich werde sie alle umbringen. Mit dem Messer in sie reinstechen."

Eine richtige Schulbildung


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