Sport Glosse

Der Amerikaner, der Klammer zum Angeber reduziert

Johann Skocek würdigt Bill Johnson

Stadtleben | aus FALTER 04/16 vom 27.01.2016

Es waren seltsame Olympische Winterspiele, jene 1984 in Sarajevo. Der Bosnienkrieg war weit weg, die Stadt war intakt. Das Rennteam des Österreichischen Skiverbandes war ein eingebildeter Haufen, der nichts zusammenbringen sollte.

Der beste Typ war der Amerikaner Bill Johnson, ein charismatischer, vom Skifahren besessener Teufel. Niemand nahm ihn ernst, alle beobachteten Franz Klammer, der acht Jahre nach seinem Abfahrtssieg 1976 in Innsbruck noch einmal Olympiasieger werden wollte. Die Abfahrtsstrecke war ein Kinderspiel, eine Konzession der Kulturstadt Sarajevo an die Alpinen. Klammer glaubte, er habe keinen Gegner, doch der alternde Star wurde Zehnter. Johnson, der vorher die Abfahrt in Wengen gewonnen hatte und in der eingebildeten österreichischen Sportjournalistik dennoch als Großmaul galt, gewann als erster Amerikaner eine alpine Goldmedaille. Österreichs Mannschaft gewann eine einzige Medaille, Jimmy Steiner Bronze in der Abfahrt.

2001 stürzte Johnson bei einem Comebackversuch schwer, ein Schädel-Hirn-Trauma reduzierte ihn zum Pflegefall. Vor ein paar Tagen ist der Amerikaner, der Klammer widerstanden hatte, im 56. Lebensjahr gestorben.


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