Theater Kritik

Romeo und Julia: Liebe zu dritt

Lexikon | SS | aus FALTER 04/16 vom 27.01.2016

Eigentlich ist das Liebesdrama rund um "Romeo und Julia" so etwas wie das blödeste Missverständnis im Theater. Zuerst verlieben sich die jungen Sprösslinge zweier verfeindeter Clans auf dem Maskenball unsterblich ineinander, dann versuchen sie sich heimlich zu treffen, können ihrer Liebe aber kaum nachgehen, weil sie immer in Eile sind, der nächste Tag sich ankündigt und es "die Lerche und nicht die Nachtigall" war, die da gesungen hat. Dann wird ein toller Plan ausgeheckt, Julia soll ein Gift schlucken, das sie für 42 Stunden tot macht, danach könnte die Totgeglaubte mit ihrem Geliebten flüchten. Wenn nicht die Kommunikationsbedingungen zu Shakespeare-Zeiten extrem schlecht wären, weshalb Romeo denkt, sie wäre wirklich gestorben, und sich, kurz bevor sie aufwacht, umbringt. Zum Schluss sind beide tot, und das Liebesdrama ist perfekt.

Die Inszenierung von Philipp Preuss ist so düster und kitschig wie die Geschichte um diese erste große Liebe. Schwarz sind die Wände der Drehbühne. Sieben Pianisten sitzen an sieben Klavieren und hämmern auf die Tasten, und keine Töne entstehen, sondern Rhythmen. Atmosphärisch ist das schön: die gespenstische Geräuschkulisse, die grotesken Videoprojektionen vom Kopf der Amme (Steffi Krautz) auf dem Gazevorhang, die großen Pappmaché-Köpfe auf dem Maskenball.

Und trotzdem will der Abend wenig berühren und baut kaum Spannung auf. Altbacken und gestelzt bleibt die Sprache, daran kann auch die Mehrfachbesetzung des Liebespaares nichts ändern; gleich drei Romeos (Thomas Frank, Kaspar Locher, Nils Rovira-Muñoz) und Julias (Katharina Klar, Nadine Quittner, Stefanie Reinsperger) stehen auf der Bühne. Sie teilen sich alle Szenen, Tänze und Sätze, bis sie zum Schluss in einem großen Haufen in einem roten Blutbad liegen. Blöd gelaufen!

Volkstheater, Di 19.30


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