Ein eruptiver Schwall der Begeisterung für Sandy Lopici´c im Schauspielhaus

Lexikon | Theaterkritik: Hermann Götz | aus FALTER 04/16 vom 27.01.2016

Es gibt Augenblicke am Theater, die sich nicht wiederholen lassen. Ein solcher war bei der Sandy-Lopičić-Uraufführung "Trümmerfrauen, Bombenstimmung" zu erleben. Genauer genommen: nach der Aufführung. Ganz genau: in jenem Moment, als der Regisseur, seit Jahren beliebt für seine Musikprojekte, die Bühne betrat und sich im Publikum ein eruptiver Schwall der Begeisterung entlud. Zustimmung diesen Ausmaßes gab es hier schon sehr, sehr lange nicht mehr - und das liegt nicht an schwächelnder Applausbereitschaft.

Mit ihrem musikalischen Abend aus Liedern, Songs und Chansons, die die fatalistisch-anarchische Stimmung im Morgengrauen nach dem großen Krieg umkreisen, haben Lopičić und Team einen Nerv getroffen: die Sehnsucht nach einem Moment großer Unterhaltungskunst. Ein solcher umschifft die Ein-und Ausgrenzungen von gutem oder schlechtem Geschmack, trifft direkt ins Herz. Dort rührt er eine ungeschützte Saite an, die schwingen kann - große Unterhaltungskunst hat immer die Raumfrequenz.

Dafür sorgen hier allen voran Henriette Blumenau, Silvana Veit und Susanne Konstanze Weber, die den Abend als unprätentiöse Solistinnen zusammenhalten - jede ist auf ihre Weise großartig. Unterstützt werden sie von Margarete Tiesel, Clemens Maria Riegler und einer erstklassigen Mini-Band der Multiinstrumentalisten. Rund um die Songs hat Lopičić ein loses szenisches Netz geknüpft, das vor allem dazu dient, die Instrumentalisten ihre Spielzeuge tauschen zu lassen. Zum Teil hätte es das gar nicht gebraucht - dafür aber noch ein paar Zugaben.

Schauspielhaus, Graz, Mi 19.30


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige