Geister der Vergangenheit

Breslau ist heuer die Kulturhauptstadt Europas. Zur Eröffnung gab es Pfiffe für die Performance der neuen, christlichen Regierung


Reportage: Matthias Dusini
Feuilleton | aus FALTER 04/16 vom 27.01.2016

Die Zwischenrufe blieben unübersetzt, als der polnische Kulturminister im neuen Musiktheater von Breslau/Wrocław die Unversehrtheit der Demokratie pries. Vertreter der Politik und der Kultur hatten sich am 17. Jänner im Nationalen Forum der Musik (NFM) versammelt, um der Eröffnung der Kulturhauptstadt Europas zu folgen.

Bereits wenige Tage nach Amtsantritt der neuen Regierung im letzten November wollte Piotr Gliński die Aufführung eines Stückes von Elfriede Jelinek in Breslau wegen angeblich pornografischer Szenen verhindern. Auch bei seiner Rede gab er den konservativen Hardliner und warnte vor dem Untergang des christlichen Abendlandes. Stur las er seine Rede vom Blatt und lächelte nur einmal sardonisch, als der Unmut des Publikums laut wurde.

Der katholische Populismus der regierenden Partei PiS (Recht und Gerechtigkeit) sollte niemanden davon abhalten, die niederschlesische Stadt (630.000 Einwohner) zu besuchen. Sie ist einer der sehenswertesten Orte Polens, besitzt einen mittelalterlichen

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