Mediaforschung Verführungskolumne

Taste the feeling: Wie man sich beim Schikanieren gut fühlt

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 04/16 vom 27.01.2016

Der Grund, warum die Limonade Coca-Cola so besonders schmeckt, hat vier Gründe. Erstens: Zucker. Zweitens: Zucker. Drittens: Zucker. Viertens: ein Werbedauerschwall, der seit Generationen über die Menschheit sprudelt, um ihr einzutrichtern: Cool ist, wer Cola trinkt.

In Paris präsentierte der Brausekonzern unter großem Getöse seine neue Kampagne. Der neue Spruch "Taste the feeling" soll an die gefühlvollen Momente erinnern, die man mit Cola verbindet. Um die Sache emotional aufzuladen, engagierte Cola den Musikproduzenten Avicii. Die Akustikversion seines Hits "Hey Brother" untermalt den neuen Cola-Clip "Bruderliebe". Der nostalgisch anmutende Spot versetzt Zuseher zurück in die Kindheit. Ein Bub spielt, sein großer Bruder sekkiert ihn. Beim Essen steigt ihm der große Bruder auf den Fuß. Im Regen läuft ihm der große Bruder mit dem Regenschirm davon. Der große Bruder ist - objektiv betrachtet - ein ziemlicher Arsch.

Dann die Wendung: Drei böse Buben nehmen dem Kleinen die Colaflasche weg. Plötzlich taucht der große Bruder auf. Er schreitet ein, nimmt ihnen die Flasche wieder ab, verscheucht sie und gibt dem Kleinen das Cola zurück. Die zweite Wendung: Als der Kleine dankbar das dunkle Zuckerwasser trinkt, stupst ihm der große Bruder die Flasche weg, grinst und geht. Mit Cola angeschüttet und unterm Stockholm-Syndrom leidend, lacht der Kleine seinem sadistischen Bruder hinterher, der ihn erst rettete, um ihn dann selbst zu schikanieren. "Taste the feeling!"

Die neue Cola-Werbung spielt mit dem sprudelnden Gefühl des kindlichen Erniedrigtwerdens (im Netz: http://bit. ly/coke_spot)


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