Drei Farben Schwarz - bei "Lupus in fabula" wird das Bühnenbild zerlegt

Lexikon | Theaterkitik: Hermann Götz | aus FALTER 04/16 vom 27.01.2016

Der lateinische Ausspruch "Lupus in fabula" ist hierzulande wenig gebräuchlich, eher heißt es: "Wenn man vom Teufel spricht ...". In den Dialogen von Henriette Dushes Drama "Lupus in fabula" wird nicht der Teufel herbeizitiert, es ist der Sensenmann, der im Raum steht. Am Sterbebett ihres Vaters umkreisen die Gespräche dreier Schwestern Leben und Tod. Ohne Pathos oder Parteinahme lässt Dushe ihre kaum glücklichen Frauenfiguren mit- und gegeneinander sprechen, mitunter auch aneinander vorbei. Angesichts der traurigen Metamorphosen, die ein Mensch im langsamen Absterben durchmisst, werden Beziehungsgeflechte ausgebreitet, reißen Lebensabgründe auf.

Uraufgeführt wurde das Drama beim Heidelberger Stückemarkt. Für die österreichische Erstaufführung am Grazer Schauspielhaus hat Regisseurin Claudia Bossard die bedrückende Dunkelheit dieses Dramas umschifft, indem sie dem Text gemeinsam mit den drei starken Darstellerinnen Vera Bommer, Veronika Glatzner und Evamaria Salcher eine Vielfalt an Klangfarben entlockt. Experimentierfreudig und geradezu verspielt folgt die Regie den wechselnden Tonarten des Stücks. Mal werden Erwin Wurms One Minute Sculptures zitiert, mal kommen Festnetztelefon oder Kassettenrekorder zum Einsatz. Am Ende dieser Materialschlacht ist das Bühnenbild (Katharina Trajceski) ziemlich zerlegt - wie auch das Leben der Protagonistinnen. Und mit einem überdimensionalen Leichentuch wird beruhigtes Schweigen über die Szene gebreitet. Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Und der Tod "ist eine blöde Sau".

Schauspielhaus, Graz, Mo 20.00


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