"Die Nummer is g'rennt wie die Sau"

Der deutsche Comedian Michael Mittermeier kommt mit seinem Programm "Wild" nach Wien

Lexikon | Interview: Stefanie Panzenböck | aus FALTER 04/16 vom 27.01.2016


Foto: Idil Sukan

Foto: Idil Sukan

Es wird wieder turbulent. Der für seine Sprach- und Witzkaskaden bekannte bayerische Stand-up-Comedian Michael Mittermeier lässt in seinem aktuellen Programm „Wild“ niemanden unerwähnt: Barack Obama, Wladimir Putin, Winnetou und Meister Yoda werden ebenso durch den komödiantischen Fleischwolf gedreht wie der Wiener Pandabär Fu Long.

Im Gespräch in der Bar des Wiener Hotels Triest gibt sich Mittermeier entspannt und, wie man es von ihm erwartet, äußerst erzählfreudig. Nur den Platz muss er zwei Mal wechseln, um auch wirklich gut zu sitzen.

Falter: Was machen Sie, wenn Sie wild sein wollen?

Michael Mittermeier: Auf der Bühne lasse ich zwei Stunden die Sau raus und will die Leute unterhalten. Privat bin ich wild im Auto.

Weil Sie gern schnell fahren?

Mittermeier: Nein, ich bin überhaupt kein Schnellfahrer. Aber ich schrei einfach jeden an und schimpf wie die blöde Höllensau.

Egal, ob jemand etwas falsch gemacht hat oder nicht?

Mittermeier: Ganz egal! Die haben ja alle was falsch gemacht, nur ich nicht. Alle nehmen mir die Vorfahrt, alle! Ich hab immer recht. Das denkt sogar inzwischen meine Tochter. Weil der Papa muss immer recht haben. (Lacht.)

Was ist das konkret Wilde an Ihrem aktuellen Programm? Ihre Auftritte sind ja selten ruhig und gefasst.

Mittermeier: Es geht darum, wo man wild ist. Im Auto, im Traum, wo lässt du’s raus oder auch nicht. Und ob wir Menschen noch ausgewildert werden können.

Und, können wir?

Mittermeier: Nein, können wir nicht, weil wir sind schon zu sehr gezähmt. Schick uns in die freie Wildbahn, egal mit welcher Waffe, und wir sind in zehn Minuten tot.

Hat sich Wildheit auch verändert?

Mittermeier: Ja klar! Vor 30 Jahren war ich dabei, wie ein Kumpel von mir einem Polizisten die Pistole aus dem Halfter rausgezogen hat. Das war im Fasching und der hat zu zwei Polizisten gesagt: „He, seids ihr zwei als Polizisten verkleidet?“ Die waren dann stinksauer, weil alle gelacht haben. Und da hat ihm mein Kumpel die Pistole rausgezogen mit dem Satz „Was hast denn da für a schöne Büchs?“ Jetzt stellen Sie sich das heute vor! No way, dass mein Kumpel überlebt hätte. Weil der zweite Bulle hätte die Waffe gezogen und geschossen. Aber damals: Der ist da gestanden, hat geschaut, hat seinen Kollegen angeschaut, der hat auch geschaut, und hat die Hand auf seine Waffe gelegt um sie festzuhalten. Und mein Kumpel, der ja nix wollte mit der Waffe, hat sie dem Polizisten einfach wieder gegeben. Der hat dann die Waffe mit zwei Händen gehalten, meinen Kumpel angeschaut, wieder seinen Kollegen angeschaut und hat einfach „danke“ gesagt. Was damals wild war, kann heute wahnsinnig sein.

In Ihrem aktuellen Programm kommen auch Österreicher vor, unter anderem erzählen Sie, dass bei Ihren Auftritten hierzulande immer einer zu spät kommt.

Mittermeier: Mittlerweile glaube ich ja, die machen sich das aus. Damals in der Innsbrucker Olympiahalle kommt einer seelenruhig zu spät, der einen Platz in der Mitte der ersten Reihe hatte. Ich sag zu ihm: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, und der sagt drauf: „Wer zu früh kommt, is a Spritzer.“ Das ist Wuchtelkultur, das ist großartig!

Sie machen nicht nur Comedy auf Deutsch, sondern auch auf Englisch, und das in Großbritannien oder den USA. Was erzählen Sie den Leuten?

Mittermeier: Entweder man findet etwas, was jeder kennt, oder man erzählt über etwas, das niemand kennt, aber so lustig, dass sie sich trotzdem abhauen. Meine Nummer über Zwentendorf zum Beispiel. Das ist meine große Schlussnummer im englischen Programm „Das Blackout“. Die is g’rennt wie die Sau! Aber man muss so etwas dann anders aufbauen und zuerst einmal erklären, wer die Österreicher sind. Und da sag ich zum Beispiel: „Austrians are like hobbits with skilifts.“ Das ist eine Erklärung, die alle akzeptieren.

Sie sind auch politisch engagiert und haben etwa eine Doku über einen in Myanmar inhaftierten Komiker gemacht. Wollen Sie es in Zukunft auch wieder einmal ernster angehen?

Mittermeier: Das mache ich eigentlich eh ständig, dass ich mich auch auf die Bühne stelle, wenn es um schwierige Themen geht. Die Organisation „One“, die auch Bono mitbegründet hat, der Sänger von U2, hat eine Gegenveranstaltung zum G8-Gipfel auf die Beinen gestellt, einen G7-Gipfel der sieben größten NGOs und ich habe ihn moderiert. Ich trete auch immer wieder bei allen möglichen Veranstaltungen für Flüchtlinge auf. Mit den ernsten Themen bin ich also auch immer beschäftigt. Da geht schon was.

Globe Wien, 1. bis 5.2., 19.30


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