Kommentar Integrationsdebatte

Bäderverbot für Flüchtlinge: Generalisierung der Schuld

Falter & Meinung | Birgit Wittstock | aus FALTER 04/16 vom 27.01.2016

Vor knapp zwei Wochen verbot die deutsche Stadt Bornheim im Bundesland Nordrhein-Westfalen Männern aus einer nahen Asylwerberunterkunft nach Beschwerden von Besucherinnen und Angestellten den Besuch des örtlichen Schwimmbads. Schnell zogen andere nach. So plant etwa die belgische Küstenstadt Koksijde ein einmonatiges Schwimmbadverbot für männliche Flüchtlinge, weil sich Frauen wegen Belästigungen beschwert hatten.

Auch im niederösterreichischen Mödling dürfen Asylwerber seit vergangener Woche nur noch in Begleitung ihrer Sozialarbeiter ins Stadtbad. Der Grund: Einige der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die in Mödling untergebracht sind, seien mit Jogging- oder Unterhosen ins Wasser gesprungen, hätten gelärmt und die Damenduschen betreten.

Es geht doch nichts über Sippenhaftung! Anstatt sich individuell mit jenen auseinanderzusetzen, die Probleme gemacht haben, bestraft man lieber gleich die ganze Gruppe. Ist einfacher und geht schneller.

Hätte man bislang mit demselben pauschalen Verbot auf sämtliche Männer reagiert, die sich in Schwimmbädern ganz zufällig in Damenduschen oder -garderoben verirren, Frauen angaffen oder auf schmierige Art und Weise anquatschen und bedrängen, die heimischen Schwimmbäder wären längst reine Frauenzonen.

Dabei gäbe es verschiedene nicht wesentlich kompliziertere Möglichkeiten: angefangen beim Aushang mehrsprachiger Baderegeln über vorbereitende Gespräche in den betreuenden Asyleinrichtungen, spezielle Schwimmkurse und Führungen bis zum Einsatz mehrsprachiger Bademeister, die in solchen Fällen als Mediatoren fungieren sollen.


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