Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Wiens Architekten sagen, die Stadt sei keine faire Auftraggeberin

Politik | Birgit Wittstock | aus FALTER 04/16 vom 27.01.2016

In vielerlei Hinsicht ist Wien eine vorbildliche Stadt. Zum Beispiel, was den sozialen Wohnbau betrifft, der zumindest europaweit einzigartig ist. Projekte der öffentlichen Hand machen einen großen Teil der Wiener Baukultur aus. Lange Zeit galt die Stadt als Auftraggeberin bei Architekten, Unternehmern und Ingenieuren als verantwortungsvoll und kompetent. Das hat sich verändert. Die Präsidenten der Wiener Architektenkammer und des Verbands der Ziviltechniker- und Ingenieurbetriebe (VZI) kritisieren eine "systematische Verweigerung offener, fairer und transparenter Auslobungen für Architektur- und städtebauliche Wettbewerbe", mangelnde Projektvorbereitung vonseiten der Stadt und die Bevorzugung von Billigstbietern.

Dass es bei komplexen Planungsprozessen zu Fehlern kommen kann - umso mehr unter den angeführten Bedingungen -, ist nicht weiter verwunderlich. Die Frage ist allerdings, wie man mit ihnen umgeht und auch hier gibt es Kritik an der Stadt: Die würde nämlich zunehmend mit ungerechtfertigten Baustopps, der Suche nach Schuldigen außerhalb der eigenen Netzwerke und Klagen reagieren, erklärt Bernhard Sommer, Vizepräsident der Wiener Kammer, warum sich die Kammer mittlerweile oft weigert, bei Ausschreibungen mit der Stadt zu kooperieren. Die Kosten würden letzten Endes am Steuerzahler hängenbleiben. Ein Beispiel aus der jüngsten Zeit: das Stadthallenbad.

Die Stadt klagt hier vom Generalplaner Georg Driendl Leistungen ein, die sie nie in Auftrag gegeben hat. Klagssumme: 13,3 Millionen Euro. Und obwohl das erste Gutachten Driendl entlastet, lässt die Stadt nicht von der Klage ab. "Ein privates Unternehmen könnte sich das niemals leisten", sagt Driendls Anwalt, Hannes Pflaum. "Wenn die öffentliche Hand bezahlt, spielt Geld offenbar keine Rolle." Alleine die nächsten drei Verhandlungstage werden um die 600.000 Euro kosten. Fast so viel wie das Honorar, das die Stadt Wien dem Generalplaner schuldet.


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