Das Tinder alter Tage

Stadtleben | Barbara Tóth | aus FALTER 05/16 vom 03.02.2016

Philharmonikerball, Schlag Mitternacht. Thomas Schäfer-Elmayer muss gar nichts sagen, ganz von selbst stehen sie alle Spalier. Sechs Reihen, Herr, Dame, Herr, Dame, verschwitzt, die Frisuren verrückt, mit Blick Richtung Bühne, wo Elmayer steht. Zeit für die Mitternachtsquadrille. "Chaîne anglaise! Balancé! Promenade Traversé!" Die Kommandos, die der Tanzschulleiter ausgibt, formen die Spaliere zu Kreiseln, wogenden Bändern. Das ist anmutig und altmodisch, lustig und steif zugleich.

Fasching in Wien heißt Bälle jeden Tag. Nicht nur hier, im Großen Musikvereinssaal, wiederholt sich das Mitternachtszeremoniell, es ist Fixpunkt jedes Wiener Faschingabends. Wie die Eröffnung durch das Komitee, die Kleiderordnung, die Ballspende und das Paar Würstel am Ende.

Bälle haben hier eine 200 Jahre alte Tradition, jede Epoche interpretierte sie neu. Sich als Ballbesucher als kleiner Teil dieses großen Ganzen zu fühlen imponiert. Maria Theresia verbot dem gemeinen Volk Karnevals - und Maskenumzüge

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