Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Der beste Billigstift der Welt der Woche

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 05/16 vom 03.02.2016

Menschen, die nur noch auf Tastaturen tippen und bereits in der posthandschriftlichen Ära angekommen sind, können hier zu lesen aufhören: Diese Kolumne wendet sich ausschließlich an Zeitgenossinnen und -genossen, die lüstern seufzend vor den Auslagen von Schreibwarengeschäften verharren, auch für Einkaufslisten nur ihren Lieblingsfüller verwenden und in eine Depression verfallen, wenn gerade kein Bleistift der Härte 2B zur Hand ist.

Stifte zählen zu den wenigen Gegenständen, die das ganze Spektrum zwischen göttlicher Genugtuung und metaphysischer Verzweiflung auszulösen vermögen. Und nur komplette Ignoranten sind imstande, die Frage "Hast du mal einen Stift?" mit einem arglosen "Sicher!" zu beantworten und einem einen Kuli entgegenzuhalten, den sie im letzten Wahlkampf geschenkt oder mit dem Clowndoktor-Erlagschein geschickt bekommen haben. "Iiiiih, das soll ein Stift sein?! Tu das so-fort weg!!!"

Natürlich wissen wir Stiftefetischisten, dass die Objekte unseres Begehrens die tückische Tendenz haben, gestohlen zu werden oder verloren zu gehen, weswegen wir auf Reisen in Bezirke, Regionen und Länder mit erhöhter Langfingerdichte ungern torpedogroße Montblanc-Füller mit uns führen, sondern auf ein billiges, aber solides Massenprodukt zurückgreifen.

Der Stabilo Worker Medium kostet circa drei Euro das Stück und trägt - wie die patenten Burschen von der MA 48 - orange Arbeitskleidung. Darüber hinaus ist er "bionisch" geformt, sieht also aus, als wäre er auch zur Messung der Körpertemperatur im Popoloch geeignet. Egal! Der Stabilo Worker liegt bombensicher in der Hand und gleitet souverän, sanft und supersauber übers Papier - quasi Eislaufprinzessin und Working Class Hero in Personalunion.


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