Faschingspolitik

Stadtleben | Lukas Matzinger | aus FALTER 05/16 vom 03.02.2016

Helmut Zilk liebte den Fasching. In seine Amtszeit fielen die großen Wiener Ringumzüge am Faschingssamstag. Vom Schwarzenbergplatz bis zum Rathaus fuhren damals Wagen, präsentierten sich Garden und Gilden, feierten verkleidete Kinder und Erwachsene. Vor der Oper wurden die Masken von Prominenten bewertet, im Rathaus wurden Urkunden verteilt. Bis zu 200.000 Menschen sollen jedes Jahr gekommen sein. Und ihr Bürgermeister war immer verkleidet und mitten im Getümmel. Zilk wollte, dass es nicht der Elite vorbehalten ist, durch die Wintermonate zu feiern, und auch außerhalb der Prunksäle getanzt werden darf.

Bis 1994, dem letzten Fasching der Amtszeit Zilk (1984 bis 1994). Die "Faschingsrunde der Wiener Wirtschaft" wollte den Ringumzug nicht mehr veranstalten, er war zu teuer geworden. Die Gilden konnten sich die Ausrichtung allein nicht leisten. 1994 fiel der Ringumzug also aus. Er wurde in der Ära Häupl nie wieder eingeführt. Seine Amtsübernahme war das endgültige Ende des Innenstadtfaschings. Häupl wollte die Faschingsnarren nicht im ersten Bezirk haben. Die Innenstadt sollte aufgewertet werden. Und kein Platz für einen Umtrunk der Gastronomen. Auch die Wirtschaftskammer sah kein Geschäft mehr im Fasching, und um ans Wiener Kulturbudget zu kommen, ist der künstlerische Aspekt zu unbedeutend.

So ist das bis heute. Die Gilden, die es noch gibt, bekommen keinen Cent von der Stadt oder dem Bezirk. Wenn es Umzüge gibt, dann wird alles, was dazugehört, von den Mitgliedern selbst bezahlt. Für 2017 überlegen die Wiener Gilden, eine Faschingsdemonstration anzumelden. Einen großen Umzug in der Faschingszeit, um laut und bunt auf ihren Brauch aufmerksam zu machen. Als angemeldete Demonstration würde der Zug dann auch von der öffentlichen Hand bezahlt. Und er könnte auch endlich wieder über den Ring führen.


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