Ein bisschen wie bei Heinz

Die Gasthaus-Legende Herkner hat wieder offen. Glatt, clean, neu, aber super

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 05/16 vom 03.02.2016


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Man muss die Herkner-Legende natürlich nicht überstrapazieren, dennoch war und ist das Schicksal dieses Gasthauses in Dornbach schon sehr bezeichnend für diese Stadt: 1984 hatte Heinz Herkner, einer der damals renommiertesten Köche Wiens, genug vom Gourmet-Theater, übernahm ein verrottetes Gasthaus weit draußen bei der 43er-Endstation, stellte es einigermaßen wieder her und kochte vor allem das, was damals so uncool war, wie es uncooler kaum mehr ging: Altwiener Küche der Hardcore-Kategorie, viel mit Innereien, viel mit Nudeln, viel mit Auflauf. Bizarrerweise wurde er dafür genau von denen geliebt, vor denen er davon gelaufen war: Die Altvorderen und die Bourgeoisen füllten sein Gasthaus und huldigten der vergangenen Zeit, die Coolen fanden den Weg nach Dornbach eher nicht und „Foodies“ waren noch nicht erfunden. Wäre heute wahrscheinlich anders.

1997 starb Heinz Herkner, seine Frau (kocht heute übrigens ab und zu bei Tochter Stefanie Herkner in deren Lokal „Zur Herknerin“) führte das Lokal noch vier Jahre weiter, danach wurde es 13 Jahre von anderen Betreibern bewirtschaftet. 2013 sperrte der Herk-
ner zu, die Zukunft war ungewiss. Und wurde auch nicht gewisser, als der Immobilienentwickler Wolf-Dietrich Schneeweiß das Anwesen kaufte, wobei sich zumindest ein Hoffnungsschimmer abzeichnete, als Leo Doppler – Gastronomie-Profi und Betreiber des Hansen in der Börse – zugezogen wurde. Zwei Jahre wurde dann renoviert – und nach Pächtern gesucht, was offenbar gar nicht so leicht war.

Na und dann endlich: Werner Pichl-
maier, langjähriger Sacher-Chefkoch, und sein Bruder Martin Pichlmaier, lange in der Service-Stammmannschaft bei Fabios und später Restaurantleiter im Edel-Japaner Shiki, übernahmen. Am 14. wurde geöffnet, seither ist die Hütte täglich voll.

Ist der neue Herkner so wie der alte? Nein. Das ganze Haus wurde grundlegend renoviert, da ist nichts mehr alt. Außer der Bretschneider-Kühlung, die ist geblieben, und auch die Raumstruktur hat sich nicht verändert. Die Küche hat sich gewandelt, der Spirit ist aber nach wie vor erkennbar, Wiener Küche, diesmal halt eher nach vorne blickend statt nach rückwärts, erstklassige Rohware, Optik mit Hang zur Eleganz.

Marinierter Kalbskopf, zum Beispiel, hausgemacht und großartig, dünn aufgeschnitten mit Käferbohnen und Vogerlsalat, dazu ein panierter Würfel davon, wirklich gut (€ 13,–);
oder Kalbszunge mit Bries, Stangensellerie, Sellerie-Püree und noch einmal Sellerie, köstlich, aber schon fast ein bisschen sehr kinkerlitz (€ 13,50). Der Zwiebelrostbraten mit Kipfler ist aber erste Liga, man könnte von perfekt sprechen, kostet halt auch sein Geld (€ 19,50), Rieslingbeuschel unendlich fein und zart (€ 10,50).

Diesmal werden wir den Herkner jedenfalls nicht mehr den bourgeoisen Schnöseln überlassen. Oder sind wir die schon selbst?

Resümee:

Eine der Gasthaus-Legenden Wiens erfuhr eine Art Wiederauferstehung. Schon anders, klar, aber durchaus mit Auftrag.

Pichlmaiers Zum Herkner
17., Dornbacher Str. 123
Tel. 01/480 12 28
Do–Mo 11–24 Uhr
www.zumherkner.at


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