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Raffi nierte Aktivisten, blamierte Parteien

Medien | BETRACHTUNG: BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 05/16 vom 03.02.2016

rüher besetzten Demonstranten Häuser und Auen. Heute besetzen sie Internet-Domains. Michael Horak, der den Twitter-Account der Neos betreut, ärgerte die ÖVP, indem er sich im anlaufenden Präsidentschaftswahlkampf die Domain khol2016.at kaufte. Wer unter dieser Seite den ÖVP-Kandidaten Andreas Khol ansteuern will, wird auf die "Parlamentarische BürgerInnenFInitiative für die Aufhebung des Eheverbots für gleichgeschlechtliche Paare" weitergeleitet.

Das fand SPÖ-Kommunikationssprecher Matthias Euler-Rolle sehr lustig und veräppelte die ÖVP daraufhin auf Facebook. Blöd war nur: Der Internet-Aktivist Yussi Pick hatte sich schon vor einem Jahr aus Spaß die Adresse des SPÖ-Kandidaten rudolfhundstorfer.at gesichert, der schon damals als wahrscheinlicher SPÖ-Kandidat fürs Präsidentenamt gehandelt worden war. Pick verwendete seine Aktion in Vorlesungen als Beispiel, um aufzuzeigen, wie dilettantisch Parteien arbeiten.

Wie er in einem lesenswerten Blog-Eintrag (im Netz: http://bit.ly/pickblog1) erklärt, überließ er der SPÖ die URL ohne Gegenleistung. Erst kurz vor der offi ziellen Präsentation ihres Kandidaten hatte ihn ein Mitarbeiter des Ministers - kein Mitarbeiter der Partei - um die Domain gebeten. Der junge Grazer Unternehmer Thiemo Gillissen wiederum kaperte die Homepage des frischgebackenen FPÖ-Präsidentschaftskandidaten norbert-hofer.at. Wer sie öffnet, bekommt nichts weiter zu sehen als ein wirres, animiertes GIF-Bild. Die FPÖ hatte sich davor zwar schon die Version ohne Bindestrich (norberthofer.at) sichern lassen. Der Streich reichte allerdings aus, um FPÖ-Gegner im Netz zum Jubeln zu bringen.


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