Phettbergs Predigtdienst

Ich bin wie ein Faultier mit drei Zähnen

Kolumnen | Hermes Phettberg | aus FALTER 05/16 vom 03.02.2016

Nachdem mir am Donnerstag in der Früh mein Chirurg die Fäden vom Muttermal herausgezogen hatte, brachte mich mein Heimhelfer Herr Pape Fall zum Trost ins neue Speiselokal Otto Bauer, das zwei Jünglinge, einer ist begabter Manager (Andreas Ebner) und einer ist begabter Koch (Julian Oberhofer), gemeinsam betreiben. Denn das Otto Bauer liegt zwischen dem Steman und meinem Hausarzt. Und Sir eze entdeckte das Lokal und kaufte mir dort einmal vegetarische Knödel mit erstens Käse, zweitens Spinat und drittens Roten Rüben mit gekochtem Weißkraut. Da entdeckte mein Gaumen des neuen Otto Bauers große Geschmacksbegabung. Als ich dann gestern nach der Entfernung meiner Nähte eine große Portion Lammrippen bestellte, konnte ich nicht aufhören, die Rippen des Lammes mir zu zerkauen, denn ich bin wie ein Faultier mit drei Zähnen und konnte nicht aufhören, meinen Gaumen auszukosten. Gott sei Dank hab ich nur mehr drei intakte Zähne und brauchte endlos lang, das Lamm zu zerfleischen.

Dazu sah ich den Kellner Andreas Ebner in seiner Jugendfrische und mit seinen engen Hosen vorbeigehen. Im Lamm hat aber Julian Oberhofer alle Geheimnisse des Geschmacks Arabiens und Indiens, vor mir geheimhaltend, verkocht. In China wurde jetzt offenbar, dass Gewiefte entdeckten, ihre Speisen mit Opium zu versetzen, damit die Gäste wiederkommen mussten, weil sie dadurch süchtig wurden. Wenn ich Geld hätte, würd ich mich jeden Tag mit dem Taxi ins Otto Bauer führen lassen und mir die Speisen, die jeweils auf der Karte stehen, von vorne bis hinten reichen lassen. Zum Beispiel hatte ich am Donnerstag Grünen Tee, Kürbiscremesuppe, Lammkrone mit Chorizo und Balsamicolinsen und Topfen-Mousse.

Als ich heute aufwachte und Ö1 einschaltete, hörte ich zuerst den Namen Joseph Beuys und merkte kurz darauf, dass ich die Stimme dessen, der gerade redete, kannte, es war Oswald Oberhuber. Er begegnete mir einmal auf der Kärntner Straße, er erkannte mich, und ich fragte ihn ganz verzweifelt: "Denken Sie, dass es Gott wirklich gibt?" Oberhuber war total kommunikativ und entgegenkommend, er antwortete: "Auf jeden Fall, wenn es ihn gibt, ist er geil! Denn er schuf so viele schöne Menschen!"

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