Theater Kritik

Porzellan-Tussis und pure Gewalt

Lexikon | SS | aus FALTER 05/16 vom 03.02.2016

Vier Mädchen wurden tot gefunden, zwei davon vergewaltigt, und die Polizei steht unter Druck. John Hopkins' Drama "Diese Geschichte von Ihnen" erzählt von Sergeant Johnson (brutal und stark: Nicholas Ofczarek), der seit Wochen mit dem Fall beschäftigt ist und im Verhör den vermeintlichen Kinderschänder Baxter erschlägt.

In drei Akten wird die Geschichte aufgerollt. Im ersten Akt erleben wir Johnson mitten in der Nacht zu Hause mit seiner Frau (Andrea Claußen): "Ich habe heute Nacht vielleicht einen Mann umgebracht", sagt er zu ihr. Er hat zu viel getrunken, der Alkohol scheint ihm das einzige Fluchtmittel zu sein. Erzählen kann Johnson nicht, stattdessen wird er gewalttätig. Im zweiten Akt wird er von Chefinspektor Cartwright (Roland Koch) zu den Ereignissen der vergangenen Nacht befragt und im dritten Akt ist in einer Rückblende das Verhör zu sehen, um das sich alles dreht.

Andrea Breth inszeniert dicht und hochkonzentriert. Das Bühnenbild von Martin Zehetgruber lässt die Rohheit und psychische Gebrochenheit des Polizisten immer augenscheinlicher werden. Das Wohnzimmer vom Anfang ist vollgestellt mit den Porzellanfiguren von Mädchen, eine dieser "niedlichen Scheiß-Porzellan-Tussis" zerschlägt Johnson im Rausch.

Zum Schluss ist die Bühne kahl. Nervös sitzt Baxter (August Diehl) da. Er streicht sich die Haare nach hinten, zittert und schwitzt. In diesem letzten Akt akkumuliert sich Johnsons Gewalt. Er zerquetscht dem Verdächtigen die Hand, er geht ihm an die Gurgel, er schlägt ihm den Mund blutig. Nicht der Verhörte gesteht zum Schluss, sondern der Polizist beichtet ihm von seinen dreckigen Gedanken und sexuellen Fantasien. Auch deshalb muss der vermeintliche Täter sterben. Ein lautes Knacksen setzt dem Ganzen ein Ende. Johnson hat Baxter den Kopf zertreten. Er hat dem Druck nicht standgehalten.

Akademietheater, So 19.00, Do 19.30


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