Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 05/16 vom 03.02.2016

Die Euphorie über TV-Serien hat nachgelassen. Manche Kritiker sahen in "Mad Men" und den "Sopranos" die Zukunft des Erzählens. Viele schräge Charaktere mit Persönlichkeitsstörung später hat das Publikum erkannt, wie gleichförmig die hochgelobten Drehbücher in ihrer Andersartigkeit meist sind. Auch die BBC-Krimiserie "River" erzählt die Geschichte eines Helden, der psychisch gestört ist. Der Polizist John River sieht Gespenster.

Der schwedische Schauspieler Stellan Skarsgard spielt einen Kommissar, der den Mord an einer Kollegin aufklären soll. Wahnfiguren bevölkern die Tagträume des mürrischen Alten, vor allem die erschossene, von Nicola Walker verkörperte Polizistin. Regisseur Richard Laxton macht aus dem Krimi eine feinfühlige Geschichte über Melancholie. Die Ermittlungen Rivers führen in die Londoner Unterwelt und - wie in einer Psychoanalyse - in die Sackgassen der Seele. Der Fall wird zur Rekonstruktion einer Liebesbeziehung. Freuds Begriff für Rivers Symptom heißt: halluzinatorische Wunschpsychose. Bitte mehr davon.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige