Neue Bücher

Architektur in Vergangenheit und Gegenwart

Feuilleton | aus FALTER 05/16 vom 03.02.2016

Friedrich Achleitner ist seit Jahrzehnten in paralleler Mission als Literat und Architekturkritiker unterwegs. Der vorliegende Band sammelt Porträts einzelner Architekten von den frühen 1960er-Jahren bis heute: Vorworte, Laudationes, Nachrufe. Es sind Entwurfsskizzen und Annäherungen, die immer die Person und das Werk gleichzeitig im Auge behalten, ohne küchenpsychologisch das eine direkt aus dem anderen herzuleiten oder eine Person kategorisch in architektonische Stilschubladen einzuordnen.

Es geht Achleitner darum, die Denkweise und den Blick auf die Wirklichkeit der Porträtierten zu verstehen. Dies tut er mit warmherziger Präzision, neugieriger Distanz und dem Achleitner'schen Humor (Lois Welzenbacher, der wochenlang grübelnd seinen Bauplatz besetzt "wie eine brütende Henne"). Im Gesamten wird diese grafisch elegante Porträtgalerie zu einem erhellenden Rückblick auf 50 Jahre Architekturgeschichte. MN

Seit 2005 gibt es die von der Stadt Wien initiierte Initiative "Young Viennese Architects", die in Büchern und Ausstellungen Architektinnen und Architekten unter 45 Jahren präsentiert. In der vierten Ausgabe stellen sich elf Büros vor (erstmals auch Landschaftsarchitekten), sowohl in Form einer Utopie für ihr Wien der Zukunft als auch mit realisierten Projekten. Rückgrat des dank grafischer Überambitioniertheit mühsam lesbaren Buchs sind Gesprächsrunden, die die Arbeitssituation heutiger Architekten zeigen: etwa die Balance zwischen Selbstausbeutung und Familie oder die Vernetzung untereinander.

Das abschließende Gespräch der Beteiligten mit Maria Vassilakou liefert mit konkreten Wünschen und zwangsläufig weniger konkreten Bereitschaftserklärungen keinen großen Erkenntnisgewinn. Trotzdem eine verdichtete Momentaufnahme einer Architektengeneration, die Wien in Zukunft prägen wird. MN


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