In der Orgie sind alle gleich

Stadtleben | Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 05/16 vom 03.02.2016

Es gab Zeiten, da waren Feste keine Einladung zur Entspannung, sondern Teil von eiskalten Riten, von Gewalt. Dass die Orgie und die darauf unmittelbar folgende Askese nur zwei Seiten einer Medaille sind, darauf deutet schon die Etymologie von "Fasching" bzw. "Karneval" hin: Mittelhochdeutsch "vaschanc" bedeutet Fastentrunk, und italienisch "carnevale" wird als Fasten durch Fleischwegnahme interpretiert.

Orgien beruhen auf dem Gleichheitsprinzip, dem Einreißen gesellschaftlicher Unterschiede, auf Entgrenzung. Während der Fastnacht, wenn die Kleiderordnungen der ständischen Gesellschaften außer Kraft gesetzt wurden, schlüpften Fürsten ins Dienergewand und Frauen in Männerkleidung. Bereits in einer 5000 Jahre alten Erwähnung des Faschings heißt es: "Die Sklavin ist der Herrin gleichgestellt und der Sklave an seines Herrn Seite."

Bei den römischen Saturnalien saßen Herr und Knecht gemeinsam am Tisch und überschütteten einander mit Rosen, vermutlich der Ursprung des Brauchs, Konfetti


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