Augenblick

Wiener Momente

Stadtleben | B W | aus FALTER 05/16 vom 03.02.2016

Neulich spätabends:

Vor der U-Bahnstation Längenfeldgasse steht ein Mann mit einer Dose kühlem Blondem in der einen, einer Zigarette in der anderen Hand. Es ist derselbe Mann, der hier oft vormittags zwischen den Gemeindebauten ziellos umherschlendert. Biertrinkend. Vor sich hin schimpfend. Über die Frauen mit den Kopftüchern, über deren am Spielplatz umherlaufende Kinder. An diesem Abend tritt er an alle dunkelhaarigen Passanten heran. Männer, Frauen, Kinder. "Wegen eich geht unser Land z'grund", sagt er und spukt immer wieder aus. Ein paar hundert Meter weiter die Gasse hinauf geht eine Frau in langem Mantel und mit Kopftuch, laut telefonierend. Am Sozialamt sei sie gewesen, erzählt sie in gebrochenem Deutsch in ihr Handy. Und nix habe sie bekommen. Wegen der Flüchtlinge, meint sie. Denn die bekämen ja jetzt alles in den Arsch geschoben.


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